Die Kurzzeichen PA bis PG stehen auf Schweißanweisungen, Prüfungsbescheinigungen und Auftragsunterlagen. Sie beschreiben die Schweißposition und damit auch den Schwierigkeitsgrad, die erforderliche Technik und die passenden Einstellungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bezeichnungen folgen DIN EN ISO 6947.
- PA ist die einfachste Schweißposition, PE (Überkopf) die anspruchsvollste.
- Mit jeder Lage außerhalb der Wannenlage muss die Wärmeeinbringung reduziert werden, damit das Schmelzbad nicht abläuft.
- Wer eine Schweißerprüfung in einer schwierigen Position besteht, deckt damit meist auch einfachere Positionen ab.
Die Positionen im Überblick
| Kurzzeichen | Deutsche Bezeichnung | Beschreibung | Schwierigkeit |
|---|---|---|---|
| PA | Wannenlage | Waagerechte Fläche, von oben geschweißt | Leicht |
| PB | Horizontal-Vertikal | Kehlnaht an einem waagerecht liegenden T-Stoß, Brenner schräg | Leicht bis mittel |
| PC | Querlage | Senkrechte Fläche, waagerecht verlaufende Naht | Mittel |
| PD | Horizontal-Überkopf | Kehlnaht über Kopf am waagerechten T-Stoß | Schwer |
| PE | Überkopflage | Waagerechte Naht über Kopf | Sehr schwer |
| PF | Steigposition | Senkrechte Naht von unten nach oben | Mittel bis schwer |
| PG | Fallposition | Senkrechte Naht von oben nach unten | Mittel |
Für Rohre kommen weitere Kennzeichen hinzu:
- PH = steigend rundum
- PJ = fallend rundum
- Zusätzlich Bezeichnungen wie H-L045 für geneigte Rohrachsen
Die Grundlogik bleibt dabei identisch.
Frühere deutsche Bezeichnungen
Diese Kürzel sind noch häufig im Umlauf:
- w = Wannenlage
- h = horizontal
- q = quer
- ü = über Kopf
- s = steigend
- f = fallend
Was sich mit der Position ändert
Das Grundproblem ist immer dasselbe:
Das Schmelzbad folgt der Schwerkraft.
In der Wannenlage hilft die Schwerkraft. In allen anderen Positionen arbeitet sie gegen dich.
Daraus ergeben sich folgende praktische Konsequenzen:
- Leistung meist um 10 bis 15 % reduzieren
- Kurzlichtbogen statt Sprühlichtbogen verwenden
- Häufig kleineren Drahtdurchmesser wählen
- Höherer CO₂-Anteil im Gas kann hilfreich sein
- Mehrere schmale Lagen statt einer breiten Naht
- Impulsschweißen bietet große Vorteile bei Zwangslagen
Die Positionen im Einzelnen
PA – Wannenlage
Die Wannenlage ist die Referenzposition.
Vorteile:
- Schmelzbad bleibt stabil
- Hohe Abschmelzleistung möglich
- Gute Sicht auf die Naht
- Sprühlichtbogen problemlos nutzbar
- Hohe Schweißgeschwindigkeit
Werkstattregel
Wenn sich das Bauteil drehen lässt, dann drehen.
Zehn Minuten Umspannen sparen oft eine Stunde Schweißen in Zwangslage und liefern bessere Ergebnisse.
PB – Horizontal-Vertikal
Die häufigste Position im Metallbau.
Typische Anwendung:
- Kehlnaht am liegenden T-Stoß
Der Brenner wird etwa 45° zur Ecke ausgerichtet und leicht zur senkrechten Flanke geneigt.
Typischer Fehler
Ungleichmäßige Schenkellängen.
Da die Wärme aus dem waagerechten Bauteil schneller abfließt, sollte der Brenner etwas stärker auf die stehende Flanke gerichtet werden.
Wer exakt in die Ecke zielt, erhält häufig eine unzureichende Verschmelzung an der senkrechten Seite.
PC – Querlage
Die Naht verläuft waagerecht auf einer senkrechten Fläche.
Problem
Das Schmelzbad läuft nach unten.
Typische Folgen:
- Oberer Nahtbereich wird dünn
- Unterer Bereich wird wulstig
Technik
- Brenner leicht nach oben richten
- Wärme gegen die Fließrichtung lenken
- Dickere Nähte in mehreren schmalen Strichlagen ausführen
- Möglichst wenig pendeln
PD – Horizontal-Überkopf
Kehlnaht über Kopf.
Hier möchte das Schmelzbad gleichzeitig nach unten und aus der Kehle herauslaufen.
Technik
- Leistung deutlich reduzieren
- Kurzen Lichtbogen verwenden
- Kleines Schmelzbad erzeugen
- Gleichmäßige Bewegung
- Möglichst nicht pendeln
PE – Überkopflage
Die anspruchsvollste Standardposition.
Hier hängt das Schmelzbad vollständig gegen die Schwerkraft.
Technik
- Niedrige Leistung
- Kurzlichtbogen
- Kleiner Drahtdurchmesser
- Kurze Strichlagen
Arbeitsschutz besonders wichtig
Da Spritzer direkt nach unten fallen:
- Geschlossene Kleidung tragen
- Kragen schließen
- Kopfbedeckung tragen
- Keine offenen Taschen
PF – Steigposition
Senkrechte Naht von unten nach oben.
Diese Position gilt bei tragenden Verbindungen als besonders hochwertig.
Warum?
Das Schmelzbad erstarrt unterhalb des Lichtbogens und trägt die darüberliegende Schmelze.
Dadurch entsteht:
- Sicherer Einbrand
- Gute Durchschweißung
- Hohe Festigkeit
Typische Bewegungsmuster
- Tannenbaum
- Dreieck
- Halbmond
Wichtig
- An den Flanken kurz verweilen
- In der Mitte zügiger bewegen
Steignähte sind langsamer, liefern jedoch häufig die zuverlässigsten Verbindungen.
Deshalb werden sie bei nachweispflichtigen Konstruktionen oft vorgeschrieben.
PG – Fallposition
Senkrechte Naht von oben nach unten.
Vorteile
- Schnell
- Optisch sauber
- Geringe Wärmeeinbringung
Das Problem
Das flüssige Schmelzbad läuft dem Lichtbogen voraus.
Dadurch schweißt der Lichtbogen teilweise über die Schmelze hinweg statt in das Grundmaterial.
Mögliche Folge:
Bindefehler
Geeignet für
- Dünne Bleche
- Bereiche mit Durchbrenngefahr
- Anwendungen ohne hohe Festigkeitsanforderungen
Besonderheit beim Elektrodenschweißen
Mit Zelluloseelektroden ist die Fallnaht ein bewährtes Verfahren im Rohrleitungsbau.
Der druckvolle Lichtbogen drängt das Schmelzbad zurück und ermöglicht sichere Verbindungen.
MIG/MAG
Für tragende MIG/MAG-Verbindungen ist die Fallnaht meist nicht die erste Wahl.
Wenn sie erforderlich ist:
- Leistung reduzieren
- Steilen Brennerwinkel verwenden
- Hohe Schweißgeschwindigkeit wählen
Bedeutung für die Schweißerprüfung
Schweißerprüfungen nach DIN EN ISO 9606-1 werden in einer bestimmten Position abgelegt.
Der Geltungsbereich der Bescheinigung ergibt sich aus dieser Position.
Grundregel:
Schwierige Positionen decken einfachere Positionen mit ab. Umgekehrt gilt das nicht.
Wer möglichst breit qualifiziert sein möchte, sollte die Prüfung daher nicht in PA ablegen.
Die genauen Geltungsbereiche regelt die jeweilige Norm und Prüfstelle.
Praktische Reihenfolge zum Üben
Eine sinnvolle Lernreihenfolge:
- PA – Grundlagen und Nahtbild
- PB – Kehlnähte und Brennerwinkel
- PF – Steignähte und Badkontrolle
- PC – Querlage
- PD und PE – Überkopfpositionen
Oft genügt bereits eine andere Einspannung des Übungsstücks.
Tipp aus der Praxis
Ein einfaches Übungsgestell, mit dem sich Bleche in verschiedene Positionen spannen lassen, gehört zu den sinnvollsten Werkstattinvestitionen für Schweißanfänger und Fortgeschrittene.
Häufige Fragen
Welche Position ist die schwierigste?
PE (Überkopflage) gilt allgemein als die anspruchsvollste Position.
Direkt dahinter folgt PD (Horizontal-Überkopf).
Noch schwieriger wird es bei eingeschränktem Zugang, beispielsweise bei Überkopfnähten in engen Ecken.
Warum ist die Fallnaht bei MIG/MAG problematisch, beim Elektrodenschweißen aber üblich?
Beim MIG/MAG-Schweißen läuft das dünnflüssige Schmelzbad oft vor dem Lichtbogen her.
Zelluloseelektroden erzeugen dagegen einen sehr energiereichen Lichtbogen, der das Bad zurückdrängt und deshalb für Fallnähte gut geeignet ist.
Muss ich für Zwangslagen andere Einstellungen speichern?
Ja, das ist sinnvoll.
Bei Geräten mit Speicherplätzen empfiehlt sich:
- Ein Programm für Wannenlage
- Ein Programm für Zwangslagen
je Blechdicke und Werkstoff.
Kann ich die Position frei wählen?
In der eigenen Werkstatt grundsätzlich ja.
Wenn möglich, sollte das Bauteil immer in eine günstigere Lage gedreht werden.
Bei nachweispflichtigen Arbeiten kann die Schweißposition jedoch durch die Schweißanweisung fest vorgegeben sein.
Passendes Zubehör
Positionierer, Schweißtische, Magnetwinkel und Spannmittel erleichtern das Drehen und Ausrichten von Bauteilen erheblich.
Bei Fragen zur passenden Ausstattung beraten wir dich gerne aus Stuhr bei Bremen.