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MIG/MAG richtig einstellen: Drahtvorschub, Spannung und Schweißparameter verstehen

MIG/MAG richtig einstellen: Drahtvorschub, Spannung und Schweißparameter verstehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Drahtvorschub bestimmt die Stromstärke. Bei MIG/MAG gibt es keinen Stromregler im eigentlichen Sinn.
  • Die Spannung bestimmt die Lichtbogenlänge und damit Nahtbreite und Einbrandform.
  • Richtig eingestellt klingt der Kurzlichtbogen gleichmäßig prasselnd – nicht knallend und nicht zischend.
  • Faustformel: etwa 30 bis 40 Ampere pro Millimeter Blechdicke.
  • Immer am Reststück derselben Dicke einstellen, niemals direkt am Bauteil.

Die vier Größen, die du einstellst

1. Drahtvorschubgeschwindigkeit

Angabe in Metern pro Minute.

Sie bestimmt:

  • Die abgeschmolzene Drahtmenge
  • Die Stromstärke
  • Die Wärmeeinbringung
  • Den Einbrand

Grundregel:

Mehr Draht = mehr Strom = mehr Wärme = tieferer Einbrand


2. Schweißspannung

Angabe in Volt.

Sie bestimmt die Lichtbogenlänge.

Höhere Spannung bedeutet:

  • Längerer Lichtbogen
  • Breitere Naht
  • Flachere Naht
  • Flacherer Einbrand

3. Gasdurchflussmenge

Angabe in Litern pro Minute.

Faustregel:

Drahtdurchmesser × 10 bis 12


4. Deine Vorschubgeschwindigkeit

Die wichtigste Einstellung, die nicht am Gerät vorgenommen wird.

Sie beeinflusst:

  • Nahtform
  • Wärmeeinbringung
  • Einbrand
  • Schweißqualität

genauso stark wie die technischen Einstellungen.


Synergiegeräte

Bei Geräten mit Synergie- oder Kennlinienprogramm gibst du ein:

  • Werkstoff
  • Drahtdurchmesser
  • Schutzgas

Danach regelst du meist nur noch über einen Hauptdrehknopf.

Das Gerät passt:

  • Spannung
  • Drahtvorschub

automatisch aneinander an.

Für die meisten Anwendungen ist das der schnellste und einfachste Weg zum guten Ergebnis.

Feinkorrekturen erfolgen anschließend über die Lichtbogenlängen-Korrektur.


Richtwerttabelle für unlegierten Stahl

Ausgangswerte für Kehlnähte in Wannenlage mit Mischgas M21.

Wichtig: Dies sind Startwerte, keine festen Vorgaben.

Blechdicke Draht-Ø Strom Spannung Drahtvorschub Gas
1 mm 0,8 mm 40–60 A 15–16 V 3–4 m/min 8–10 l/min
2 mm 0,8 mm 70–90 A 17–18 V 5–6 m/min 8–10 l/min
3 mm 0,8–1,0 mm 100–120 A 18–20 V 6–7 m/min 10–12 l/min
5 mm 1,0 mm 140–170 A 20–22 V 7–9 m/min 12–14 l/min
8 mm 1,2 mm 200–240 A 24–26 V 9–11 m/min 12–15 l/min
10 mm 1,2 mm 240–280 A 26–28 V 10–12 m/min 14–16 l/min

Anpassungen aus der Praxis

  • In Zwangslagen etwa 10 bis 15 % Leistung reduzieren.
  • Edelstahl etwas niedriger einstellen, da die Wärme schlechter abgeführt wird.
  • Für Aluminium gelten eigene Einstellwerte.

Die Lichtbogenarten

Welche Lichtbogenart entsteht, wird durch die Kombination aus Spannung und Drahtvorschub bestimmt.

Kurzlichtbogen

  • Niedrige Spannung
  • Niedriger Drahtvorschub

Der Draht berührt das Schmelzbad regelmäßig und erzeugt Kurzschlüsse.

Kennzeichen

  • Gleichmäßiges Prasseln

Einsatzgebiete

  • Dünnblech
  • Wurzellagen
  • Zwangslagen

Vorteil

  • Niedrige Wärmeeinbringung

Übergangslichtbogen

Liegt zwischen Kurz- und Sprühlichtbogen.

Merkmale:

  • Grobtropfiger Werkstoffübergang
  • Viele Spritzer

Dieser Bereich wird möglichst vermieden.


Sprühlichtbogen

  • Hohe Spannung
  • Hoher Drahtvorschub
  • Ab etwa 165 A bei 1,0-mm-Draht

Merkmale:

  • Feintropfig
  • Kurzschlussfrei
  • Ruhiges Zischen
  • Hohe Abschmelzleistung

Einsatzgebiete

  • Dicke Bleche
  • Wannenlage

Voraussetzung

Mischgas erforderlich.

Mit reinem CO₂ ist Sprühlichtbogen nicht möglich.


Impulslichtbogen

Gepulste Leistungsabgabe.

Eigenschaften:

  • Kurzschlussfrei
  • Sehr spritzerarm
  • Niedrige durchschnittliche Wärmeeinbringung

Geeignet für:

  • Aluminium
  • Edelstahl
  • Dünne Bleche
  • Sichtnähte

Voraussetzung:

  • Pulsfähiges Schweißgerät

Einstellen nach Gehör

Das Schweißgeräusch ist eine der wichtigsten Informationsquellen.

Was du hörst Bedeutung Korrektur
Gleichmäßiges Prasseln wie Bratfett Kurzlichtbogen korrekt eingestellt So lassen
Lautes Knallen, Draht stößt auf Spannung zu niedrig oder Drahtvorschub zu hoch Spannung erhöhen oder Drahtvorschub reduzieren
Zischen mit langem, unruhigem Lichtbogen und vielen Spritzern Spannung zu hoch Spannung reduzieren
Draht brennt bis zur Stromdüse zurück Drahtvorschub zu niedrig Drahtvorschub erhöhen
Ruhiges gleichmäßiges Zischen bei hoher Leistung Sprühlichtbogen korrekt So lassen
Unregelmäßiges Stottern ohne Muster Verschleißteil-, Masse- oder Drahtführungsproblem Verschleißteile prüfen

Das Nahtbild lesen

Nahtbild Ursache Korrektur
Hoch, schmal, scharfer Übergang Zu wenig Spannung oder zu langsam Spannung erhöhen
Sehr breit, flach, Einbrandkerben am Rand Zu viel Spannung oder Leistung Leistung reduzieren
Naht liegt auf, kaum Einbrand Zu wenig Leistung oder zu schnell Leistung erhöhen, langsamer schweißen
Durchbrennen Zu viel Strom Strom reduzieren
Unregelmäßige Schuppung Ungleichmäßige Handführung Technik üben, Auflage nutzen
Naht wandert seitlich weg Falscher Brennerwinkel oder Schmelzbad läuft vor Brenner steiler halten

Brennerführung

Freie Drahtlänge (Stickout)

Richtwert:

10 bis 15 mm bei 1,0-mm-Draht

Das entspricht etwa dem Zehn- bis Fünfzehnfachen des Drahtdurchmessers.

Zu langer Stickout

  • Schlechtere Gasabdeckung
  • Flacherer Einbrand

Zu kurzer Stickout

  • Mehr Spritzer in der Gasdüse
  • Höhere thermische Belastung

Anstellwinkel

Richtwert:

10 bis 20° aus der Senkrechten


Schleppend oder stechend?

Schleppend

Der Brenner zeigt zurück und wird hinter der Naht hergezogen.

Vorteile:

  • Tieferer Einbrand
  • Schmalere Naht
  • Höhere Naht
  • Bessere Gasabdeckung

Standard beim MIG/MAG-Schweißen.


Stechend

Der Brenner zeigt in Schweißrichtung.

Vorteile:

  • Breitere Naht
  • Flacherer Einbrand
  • Bessere Sicht auf das Schmelzbad

Besonders geeignet für:

  • Dünnblech
  • Sichtnähte
  • Kontrolliertes Schmelzbad

Kehlnähte

Bei Kehlnähten die Winkelhalbierende suchen und leicht zur senkrechten Flanke neigen.

Dort wird die Wärme schneller abgeführt.


Das systematische Vorgehen am Probestück

  1. Reststück derselben Materialcharge und Dicke vorbereiten.
  2. Oberfläche metallisch blank reinigen.
  3. Gasdurchfluss nach Faustregel einstellen.
  4. Drahtvorschub anhand der Tabelle wählen.
  5. Spannung über das Schweißgeräusch optimieren.
  6. Probenaht erstellen.
  7. Nahtbild beurteilen.
  8. Vorschubgeschwindigkeit anpassen.
  9. Probestück aufbrechen oder aufsägen.
  10. Einbrand kontrollieren.

Der wichtigste Schritt

Viele lassen Schritt 10 aus.

Er ist jedoch der einzige Schritt, der zeigt, ob unter der schönen Oberfläche tatsächlich eine tragfähige Verbindung entstanden ist.


Drahtvorschub kontrollieren

Du möchtest prüfen, ob die Anzeige am Gerät stimmt?

Vorgehensweise

  1. Stromdüse abschrauben.
  2. Draht 10 Sekunden fördern lassen.
  3. Förderlänge messen.
  4. Gemessene Länge × 6 rechnen.

Das Ergebnis entspricht der tatsächlichen Drahtvorschubgeschwindigkeit in m/min.

Weicht der Wert deutlich ab:

  • Draht rutscht
  • Vorschubrollen sind falsch eingestellt
  • Gerät ist nicht korrekt kalibriert

Häufige Fragen

Warum gibt es bei MIG/MAG keinen Stromregler?

MIG/MAG arbeitet mit einer Konstantspannungsquelle.

Der Strom ergibt sich automatisch aus dem Drahtvorschub:

Mehr Draht benötigt mehr Energie zum Abschmelzen und erhöht somit den Strom.

Der Drahtvorschubregler ist deshalb praktisch der Stromregler.


Was ist die Induktivität oder Drossel?

Sie beeinflusst die Geschwindigkeit des Stromanstiegs beim Kurzschluss.

Mehr Induktivität

  • Weicherer Lichtbogen
  • Weniger Spritzer

Weniger Induktivität

  • Härterer Lichtbogen
  • Tieferer Einbrand

Viele Geräte nennen diese Funktion heute Lichtbogendynamik.


Reicht das Synergieprogramm oder sollte ich manuell einstellen?

Für die meisten Anwendungen reicht ein gutes Synergieprogramm vollkommen aus.

Oft liefert es sogar bessere Ergebnisse als manuelle Einstellungen.

Manuelle Anpassungen lohnen sich bei:

  • Sonderanwendungen
  • Speziellen Gasen
  • Bewusstem Arbeiten außerhalb der Kennlinie

Wie stelle ich für Zwangslagen ein?

Empfohlen:

  • Kurzlichtbogen
  • 10 bis 15 % weniger Leistung
  • Gegebenenfalls kleinerer Drahtdurchmesser

Ein höherer CO₂-Anteil im Gas hilft zusätzlich, da das Schmelzbad zäher bleibt.


Warum stimmen die Tabellenwerte bei mir nicht?

Tabellen liefern nur Startwerte.

Folgende Faktoren verändern die tatsächlichen Einstellungen:

  • Gerätetyp
  • Schlauchpaketlänge
  • Massekabelquerschnitt
  • Schutzgas
  • Netzspannung
  • Drahtqualität

Ziel der Tabelle ist es, dich in die Nähe der passenden Einstellung zu bringen, nicht den exakten Wert vorzugeben.


Passende Ausrüstung

Schweißgeräte mit Synergie- und Pulsfunktion, Schweißdraht, Gaszubehör und Verschleißteile findest du in unserem Shop.

Wenn du bei der Einstellung nicht weiterkommst, ruf uns an. Oft ist ein Foto der Naht aussagekräftiger als jede Tabelle. Wir beraten aus Stuhr bei Bremen.

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Autor

Dennis Haberland

Als Ansprechpartner für Fachhändler, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen setzt er sich intensiv mit Schweißgeräten, Schweißzubehör, Arbeitsschutz und den Anforderungen moderner Werkstätten auseinander.

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