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Löten: Grundlagen, Verfahren und typische Fehler

Draht wird mit einem Lötkolben gelötet

Löten wird häufig als „Schweißen mit weniger Hitze“ angesehen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein eigenständiges Fügeverfahren mit eigenen Regeln, Vorteilen und Einsatzgebieten. Besonders dann, wenn Wärmeeinbringung, Verzug oder unterschiedliche Werkstoffe zum Problem werden, ist Löten oft die bessere Lösung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Löten schmilzt nur das Lot, nicht das Grundmaterial.
  • Weichlöten erfolgt unter 450 °C, Hartlöten über 450 °C.
  • Der Lötspalt entscheidet maßgeblich über die Festigkeit der Verbindung.
  • Flussmittel ist meist unverzichtbar.
  • MIG-Löten mit CuSi3 eignet sich hervorragend für verzinkte und hochfeste Bleche.
  • Lötverbindungen erzeugen weniger Verzug als Schweißverbindungen.

Der Unterschied zwischen Löten und Schweißen

Der grundlegende Unterschied liegt im Verhalten des Grundwerkstoffs.

Schweißen

Beim Schweißen:

  • Schmilzt das Grundmaterial auf
  • Entsteht eine gemeinsame Schmelze
  • Bildet sich die Verbindung aus Werkstück und Zusatzwerkstoff

Löten

Beim Löten:

  • Bleibt der Grundwerkstoff fest
  • Schmilzt ausschließlich das Lot
  • Verbindet sich das Lot durch Benetzung und Diffusion mit dem Grundmaterial

Vorteile des Lötens

Geringere Wärmeeinbringung

Die niedrigere Arbeitstemperatur führt zu:

  • Weniger Verzug
  • Weniger Gefügeveränderungen
  • Weniger Spannungen im Werkstück

Unterschiedliche Werkstoffe verbinden

Löten ermöglicht Verbindungen, die häufig nicht schweißbar sind:

  • Stahl mit Kupfer
  • Hartmetall mit Stahl
  • Messing mit Stahl

Dünne Materialien verarbeiten

Besonders bei:

  • Dünnblechen
  • Rohren
  • Feinmechanischen Bauteilen

entsteht kaum Gefahr des Durchbrennens.


Beschichtungen erhalten

Verzinkungen bleiben beim Löten größtenteils erhalten.

Das verbessert den Korrosionsschutz deutlich.


Nachteile des Lötens

Geringere Festigkeit

Eine Lötverbindung erreicht in der Regel nicht die Festigkeit einer Schweißnaht.


Temperaturgrenzen

Die spätere Einsatztemperatur darf nicht zu nahe an die Löttemperatur gelangen.

Andernfalls kann die Verbindung geschwächt werden.


Hohe Anforderungen an den Lötspalt

Die Passung ist häufig kritischer als beim Schweißen.


Flussmittelreste

Nicht entfernte Rückstände können Korrosion verursachen.


Weichlöten und Hartlöten

Die Grenze liegt bei:

450 °C


Weichlöten

Arbeitstemperatur:

Unter 450 °C

Typische Lote:

  • Zinn-Kupfer
  • Zinn-Silber

Anwendungen

  • Elektronik
  • Dachrinnen
  • Blecharbeiten
  • Kupferrohre im Sanitärbereich

Hartlöten

Arbeitstemperatur:

Über 450 °C

Eigenschaften:

  • Höhere Festigkeit
  • Höhere Belastbarkeit

Anwendungen

  • Kälte- und Klimatechnik
  • Fahrradrahmen
  • Rohrkonstruktionen
  • Hartmetallwerkzeuge
  • Reparaturen an Stahl und Guss

Hochtemperaturlöten

Temperaturen:

Über ca. 900 °C

Erfolgt häufig:

  • Im Ofen
  • Im Vakuum
  • Unter Schutzgas

Im Handwerk spielt dieses Verfahren nur eine untergeordnete Rolle.


Der Lötspalt: wichtiger als das Lot

Lötverbindungen nutzen die sogenannte:

Kapillarwirkung

Das flüssige Lot wird in einen engen Spalt gezogen.


Optimaler Spalt

Typischer Bereich:

  • Wenige Hundertstel Millimeter
  • Bis etwa 0,2 mm

Spalt zu groß

Folgen:

  • Keine Kapillarwirkung
  • Hohlräume
  • Schlechte Festigkeit

Mehr Lot verbessert das Problem nicht.


Spalt zu klein

Das Lot kann nicht eindringen.

Auch hier entsteht keine zuverlässige Verbindung.


Praxistipp

Beim Löten ist die Passung oft wichtiger als der eigentliche Lötvorgang.


Die wichtigsten Lote

Lot Typ Typische Anwendungen
Zinn-Kupfer Weichlot Elektro, Blech, Kupferrohr
Zinn-Silber Weichlot Hochwertige Weichlötungen
Kupfer-Phosphor (CuP) Hartlot Kupfer an Kupfer
Silberhartlot Hartlot Stahl, Kupfer, Messing, Hartmetall
Messinglot Hartlot Stahl, Guss, Rohrkonstruktionen
Aluminiumlot Hartlot Aluminium

Kupfer-Phosphor-Lot (CuP)

Besonderheit:

Bei:

Kupfer auf Kupfer

ist häufig kein Flussmittel erforderlich.

Das enthaltene Phosphor wirkt reduzierend.


Nicht geeignet für

  • Stahl
  • Nickelhaltige Werkstoffe

Hier können spröde Verbindungen entstehen.


Flussmittel

Flussmittel erfüllt drei wichtige Aufgaben.

1. Oxide entfernen

Es löst bestehende Oxidschichten auf.


2. Oxidation verhindern

Während des Erwärmens wird die Neubildung von Oxiden verhindert.


3. Benetzung verbessern

Das Lot kann gleichmäßig verlaufen und haften.


Wichtig

Flussmittel muss zum Lot passen.

Ein ungeeignetes Flussmittel kann bereits verbrennen, bevor das Lot schmilzt.

Dann entsteht keine Verbindung.


Rückstände entfernen

Viele Flussmittel sind korrosiv.

Nach dem Löten:

  • Abwaschen
  • Abbürsten
  • Mechanisch entfernen

je nach Produktvorgabe.


Die richtige Vorbereitung

Löten reagiert empfindlicher auf Verunreinigungen als Schweißen.


1. Reinigen

Mit:

  • Schleifvlies
  • Bürste
  • Rohrreiniger

Bis eine metallisch blanke Oberfläche entsteht.


2. Entfetten

Bereits Fingerabdrücke können die Benetzung beeinträchtigen.


3. Flussmittel auftragen

Dünn und gleichmäßig.


4. Bauteile fixieren

Während des Erwärmens dürfen sich die Werkstücke nicht verschieben.


Die Erwärmung

Flamme

Der Standard im Handwerk.

Typische Gase:

  • Propan
  • Acetylen/Sauerstoff

Induktion

Vorteile:

  • Schnell
  • Präzise
  • Wiederholgenau

Häufig in der Industrie.


Ofenlöten

Für Serienfertigung und Hochtemperaturlötungen.


Die wichtigste Regel beim Löten

Das Werkstück erwärmen, nicht das Lot.

Das Lot soll durch die Wärme des Bauteils schmelzen.


Fehler

Wird das Lot direkt in der Flamme geschmolzen, entsteht meist nur eine aufliegende Lotkugel ohne feste Verbindung.


MIG-Löten: Die moderne Werkstattlösung

Beim MIG-Löten wird ein MIG/MAG-Gerät verwendet.

Als Zusatzwerkstoff dienen häufig:

  • CuSi3 (Kupfer-Silizium)
  • CuAl (Aluminiumbronze)

Vorteile des MIG-Lötens

Weniger Wärme

Dadurch entstehen:

  • Kaum Verzug
  • Weniger Durchbrennrisiko

Korrosionsschutz bleibt erhalten

Die Zinkschicht wird deutlich weniger beschädigt als beim Schweißen.


Geeignet für hochfeste Bleche

Das Gefüge wird nicht überhitzt.


Saubere Naht

  • Wenig Spritzer
  • Gute Nachbearbeitung
  • Sauberes Erscheinungsbild

Besonderheiten beim MIG-Löten

Benötigt werden:

  • Argon oder argonreiche Mischgase
  • Geeignete Drahtführung
  • CuSi3- oder CuAl-Draht

Einschränkungen

  • Geringere Festigkeit als Schweißnähte
  • Nicht überall zulässig
  • Andere Nahtfarbe als Stahl

Typische Fehler beim Löten

Fehler Ursache
Lot perlt ab Oberfläche verschmutzt oder Flussmittel fehlt
Lot fließt nur einseitig Werkstück ungleichmäßig erwärmt
Verbindung bricht Lötspalt zu groß
Spätere Undichtigkeit Flussmittelreste nicht entfernt
Grundmaterial schmilzt Zu hohe Temperatur
Spröde Verbindung Falsches Lot verwendet
Lot läuft weg Werkstück überhitzt

Arbeitsschutz

Flussmitteldämpfe absaugen

Besonders wichtig bei fluoridhaltigen Flussmitteln.


Zinkdämpfe beachten

Beim Löten von:

  • Messing
  • Verzinktem Stahl

können gesundheitsschädliche Dämpfe entstehen.


Schutzbrille verwenden

Beim Hartlöten sind Schutzstufen ähnlich wie beim Gasschweißen üblich.

Typischer Bereich:

  • Schutzstufe 4 bis 7

Brandschutz beachten

Offene Flammen erfordern dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie beim Autogenschweißen.


Löten oder Schweißen?

Löten wählen, wenn:

  • Verzug vermieden werden soll
  • Dünne Bleche bearbeitet werden
  • Unterschiedliche Werkstoffe verbunden werden
  • Beschichtungen erhalten bleiben sollen
  • Eine dichte Verbindung wichtiger ist als maximale Festigkeit

Schweißen wählen, wenn:

  • Höchste Festigkeit benötigt wird
  • Hohe Betriebstemperaturen auftreten
  • Tragende Konstruktionen entstehen
  • Ein Festigkeitsnachweis erforderlich ist

Häufige Fragen

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Löten und Schweißen?

Beim Löten schmilzt nur das Lot, beim Schweißen auch das Grundmaterial.


Ist eine Lötverbindung belastbar?

Ja.

Gut ausgeführte Hartlötungen werden beispielsweise eingesetzt bei:

  • Fahrradrahmen
  • Rohrleitungen
  • Hartmetallwerkzeugen

Sie erreichen jedoch nicht die Festigkeit einer Schweißnaht.


Warum fließt mein Lot nicht?

Häufige Ursachen:

  1. Oberfläche nicht sauber
  2. Flussmittel fehlt
  3. Flussmittel verbrannt
  4. Bauteil nicht warm genug
  5. Lötspalt ungeeignet

Brauche ich bei Kupferrohren Flussmittel?

  • Beim Weichlöten: Ja
  • Beim Hartlöten mit Kupfer-Phosphor-Lot an Kupfer-Kupfer-Verbindungen: Nein

Kann ich Aluminium löten?

Ja, mit speziellen Aluminiumloten.

Allerdings erschweren die Oxidschicht und die geringen Temperaturunterschiede zwischen Löten und Schmelzen die Verarbeitung deutlich.

Für viele Anwendungen ist WIG-Schweißen einfacher.


Passende Ausrüstung

Hartlote, Weichlote, Flussmittel, CuSi3-Draht für MIG-Lötanwendungen, Lötbrenner und Autogenausrüstung helfen dabei, zuverlässige und saubere Lötverbindungen herzustellen.

Wenn du Fragen zur passenden Lotauswahl oder zur Verbindung bestimmter Werkstoffkombinationen hast, beraten wir dich gerne aus Stuhr bei Bremen.

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Autor

Dennis Haberland

Als Ansprechpartner für Fachhändler, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen setzt er sich intensiv mit Schweißgeräten, Schweißzubehör, Arbeitsschutz und den Anforderungen moderner Werkstätten auseinander.

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