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Schweißhelm kaufen: Schutzstufen, Optikklassen und wichtige Kaufkriterien

Auswahl an Schweißer Helmen

Schweißhelm kaufen: Schutzstufen, Optikklassen und wichtige Kaufkriterien

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schutzstufe richtet sich nach Verfahren und Stromstärke, nicht nach Gefühl.
  • Optikklasse 1/1/1/1 ist der Maßstab für gute Sicht. Alles darunter merkt man nach zwei Stunden Arbeit deutlich.
  • Vier Sensoren sind bei Zwangslagen und verdeckter Sicht deutlich zuverlässiger als zwei.
  • Der Helm schützt nur Augen und Gesicht. UV-Strahlung trifft auch Hals, Arme und Kollegen im Umfeld.
  • Ein Schleifmodus erspart das ständige Absetzen des Helms.

Welche Schutzstufe brauchst du?

Die Schutzstufe, oft als DIN-Stufe bezeichnet, gibt die Abdunklung des Filters an.

Je höher die Zahl, desto dunkler der Filter.

Die Auswahl richtet sich nach Schweißverfahren und Stromstärke.

Verfahren Stromstärke Empfohlene Schutzstufe
MIG/MAG bis 100 A 10
MIG/MAG 100–175 A 11
MIG/MAG 175–300 A 12
MIG/MAG 300–500 A 13
WIG bis 20 A 9
WIG 20–100 A 10
WIG 100–200 A 11
WIG 200–300 A 12
E-Hand bis 100 A 10
E-Hand 100–200 A 11
E-Hand 200–300 A 12
Plasmaschneiden verfahrensabhängig 11–13
Autogenschweißen 4–7

Die Werte sind Richtwerte aus den einschlägigen Empfehlungen.

In der Praxis wählen viele Schweißer innerhalb ihres Bereichs eine Stufe heller, weil sie das Schmelzbad besser erkennen können. Das ist zulässig, solange die untere Schutzgrenze eingehalten wird.

Wichtig

  • Zu helle Einstellung = Gefahr für die Augen
  • Zu dunkle Einstellung = Schlechtere Kontrolle des Schmelzbads

Automatikhelme werden meist beispielsweise mit 4/9–13 angegeben.

Dabei bedeutet:

  • 4 = Hellzustand
  • 9–13 = Einstellbarer Dunkelbereich

Für Betriebe, die MIG/MAG und WIG schweißen, ist ein Bereich von 9–13 meist die beste Wahl.


Optikklasse: Die vier Zahlen, die niemand erklärt

Auf jedem hochwertigen Automatikfilter findest du vier Zahlen, zum Beispiel:

1/1/1/1

Diese bewerten in der Reihenfolge:

  1. Optische Klasse (Abbildungsschärfe)
  2. Streulichtklasse (Schleier und Trübung)
  3. Homogenität (gleichmäßige Abdunklung)
  4. Winkelabhängigkeit (gleichbleibende Sicht bei schrägem Blick)

Dabei gilt:

1 ist immer die beste Bewertung.

Beispiel

Ein Filter mit 1/1/1/2 dunkelt am Rand des Sichtfelds anders ab als in der Mitte.

Besonders bei:

  • Zwangslagen
  • Überkopfarbeiten
  • Schräger Kopfhaltung

macht sich das deutlich bemerkbar.

Der entscheidende Unterschied zwischen günstig und hochwertig

Ein günstiger Helm mit 1/2/2/3 schweißt am ersten Tag ebenfalls.

Nach mehreren Stunden merkt man jedoch:

  • Schnellere Ermüdung
  • Schlechtere Sicht
  • Höhere Augenbelastung

Reaktionszeit und Sensoren

Reaktionszeit

Gute Schweißfilter schalten in etwa:

0,1 Millisekunden oder schneller

Bei langsameren Filtern bekommt das Auge bei jedem Zünden einen Lichtblitz ab.

Ein einzelner Blitz ist meist unproblematisch.

Tausende Lichtblitze über Jahre hinweg sind jedoch vermeidbar.

Achtung bei Kälte

Achte darauf, ob die angegebene Reaktionszeit auch bei niedrigen Temperaturen gilt.

Flüssigkristallfilter reagieren bei Kälte langsamer.

Das ist besonders relevant:

  • In ungeheizten Hallen
  • Auf Baustellen
  • Bei Montageeinsätzen im Winter

Sensoren

Zwei Sensoren

Ausreichend bei:

  • Freier Sicht auf den Lichtbogen
  • Einfachen Schweißpositionen

Vier Sensoren

Deutlich zuverlässiger bei:

  • Zwangslagen
  • Verdeckten Lichtbögen
  • Arbeiten in Ecken
  • Mehreren Schweißern im selben Bereich
  • Gepulsten Schweißverfahren

Die häufigste Ursache für Verblitzungen

Ein eigentlich guter Helm löst nicht aus, weil der Lichtbogen teilweise verdeckt wird.

In solchen Situationen bieten vier Sensoren erhebliche Vorteile.


Empfindlichkeit und Verzögerung

Empfindlichkeit

Verhindert Fehlauslösungen durch:

  • Sonnenlicht
  • Nachbarschweißer
  • Reflektionen

Verzögerung

Hält den Filter nach dem Schweißende noch kurz dunkel.

Das schützt die Augen vor:

  • Glühendem Material
  • Nachstrahlung
  • Heller Schmelze

Weitere Kaufkriterien

Sichtfeldgröße

Die Sichtfelder reichen von etwa:

  • 45 × 90 mm

bis zu

  • über 100 × 60 mm

Ein großes Sichtfeld bietet Vorteile bei:

  • Langen Nähten
  • Komplexen Bauteilen
  • Allgemeiner Orientierung

Dieser Komfortgewinn wird oft schon nach wenigen Einsätzen geschätzt.


True Colour / Echtfarbenwiedergabe

True Colour reduziert den typischen Grünstich vieler Schutzfilter.

Vorteile:

  • Schmelzbad besser sichtbar
  • Nahtkanten besser erkennbar
  • Anlauffarben leichter beurteilbar
  • Geringere Ermüdung

Das ist kein Marketingbegriff, sondern ein echter Praxisvorteil.


Schleifmodus

Im Schleifmodus bleibt der Filter hell.

Der Helm dient dann als:

  • Gesichtsschutz
  • Augenschutz beim Schleifen

Vorteile:

  • Helm muss nicht ständig abgesetzt werden
  • Höhere Arbeitssicherheit
  • Mehr Komfort

Stromversorgung

Mögliche Varianten:

  • Solarzelle mit Pufferbatterie
  • Austauschbare Lithiumbatterie
  • Kombinierte Systeme

Wichtig:

Wechselbare Batterien verlängern die Lebensdauer des gesamten Helms.

Fest verbaute Akkus begrenzen dagegen die Nutzungsdauer.


Gewicht und Kopfband

Bei täglichem Einsatz zählt die Gewichtsverteilung oft mehr als das reine Gewicht.

Wichtige Merkmale:

  • Gepolstertes Kopfband
  • Breite Auflageflächen
  • Verstellbare Neigung
  • Gute Balance

Frischluft- und Gebläsesysteme (PAPR)

Besonders sinnvoll bei:

  • Verzinkten Werkstoffen
  • Edelstahl
  • Hohen Rauchmengen
  • Behälterarbeiten
  • Dauerbetrieb

Ein Frischluftsystem gehört zu den sinnvollsten Investitionen in die eigene Gesundheit.

Der Schweißhelm muss dafür vorbereitet sein.


Normen

Schweißerschutzhelme werden nach EN 175 geprüft.

Automatische Schweißerschutzfilter werden nach EN 379 geprüft.

Die neue Normenreihe EN ISO 16321 löst diese Regelwerke schrittweise ab.

Deshalb finden sich aktuell Produkte mit unterschiedlichen Kennzeichnungen im Handel.

Darauf solltest du achten

  • Gültige Prüfkennzeichnung
  • CE-Zeichen
  • Nachweisbare Normerfüllung

Helme ohne Prüfnachweis sind kein verlässlicher Arbeitsschutz.

Weitere wichtige Normen

Bereich Norm
Schweißerschutzkleidung EN ISO 11611
Schweißerhandschuhe EN 12477

Was der Helm nicht abdeckt

Der Lichtbogen strahlt in alle Richtungen.

Ein vollständiger Schutz besteht daher aus mehreren Komponenten.

Hals und Nacken

Schutz durch:

  • Lederkragen
  • Schweißertuch

Sonst drohen:

  • UV-Belastung
  • Sonnenbrand
  • Verbrennungen

Arme und Hände

Erforderlich sind:

  • Schwer entflammbare Kleidung
  • Schweißerhandschuhe

Beine und Füße

Wichtig:

  • Keine offenen Schuhe
  • Keine Hosenaufschläge

Spritzer bleiben sonst liegen und verursachen Verbrennungen.


Umgebung

Schweißschutzwände oder Schweißvorhänge schützen Kollegen vor Verblitzungen.


Atemwege

Ein Schweißhelm filtert keine Schweißrauche.

Deshalb zusätzlich:

  • Absaugung
  • Gebläseeinheit
  • Frischluftsystem

verwenden.


Unter dem Helm

Beim Schleifen und bei hochgeklapptem Helm gehört eine Schutzbrille zur Grundausstattung.


Pflege

Vorsatzscheibe wechseln

Die äußere Vorsatzscheibe ist Verbrauchsmaterial.

Sie sollte regelmäßig ersetzt werden.

Eine verkratzte Scheibe verschlechtert die Sicht stärker als viele vermuten.


Innenscheibe kontrollieren

Auch die Innenscheibe:

  • Verkratzt
  • Beschlägt
  • Verschleißt

und sollte regelmäßig geprüft werden.


Reinigung

Den Filter ausschließlich mit einem weichen Tuch reinigen.

Keine Lösungsmittel verwenden.


Lagerung

Den Helm nicht auf dem Armaturenbrett oder in direkter Sonne lagern.

Hohe Temperaturen können den Flüssigkristallfilter beschädigen.


Sensoren sauber halten

Staub und Spritzer auf den Sensorfenstern können zu Fehlauslösungen oder Nicht-Auslösungen führen.


Häufige Fragen

Was ist eine Verblitzung und was hilft?

Eine Verblitzung ist eine UV-bedingte Verbrennung der Hornhaut.

Typische Symptome treten oft erst Stunden später auf:

  • Schmerzen
  • Fremdkörpergefühl
  • Lichtempfindlichkeit

Meist heilt sie innerhalb weniger Tage.

Bei starken Beschwerden sollte ein Augenarzt aufgesucht werden.


Reicht ein günstiger Automatikhelm für gelegentliche Arbeiten?

Für gelegentliche Hobbyarbeiten grundsätzlich ja, sofern eine gültige Prüfkennzeichnung vorhanden ist.

Achte auf:

  • Mindestens zwei Sensoren
  • Schutzbereich 9–13
  • Angegebene Reaktionszeit

Bei täglichem Einsatz lohnt sich ein hochwertiger Helm meist schon nach kurzer Zeit durch die geringere Ermüdung.


Kann ich mit Brille einen Schweißhelm tragen?

Ja.

Die meisten hochwertigen Helme bieten ausreichend Platz.

Alternativ können Korrekturlinsen oder Vorsatzlupen verwendet werden.


Welche Schutzstufe für Plasmaschneiden?

Je nach Verfahren und Stromstärke üblicherweise:

DIN 11 bis DIN 13

Zusätzlich sollte beim Plasmaschneiden immer auf ausreichenden Gehörschutz geachtet werden.


Warum schaltet mein Helm manchmal nicht?

Mögliche Ursachen:

  • Verschmutzte Sensoren
  • Verdeckte Sensoren
  • Zu geringe Empfindlichkeit
  • Schwache Batterie
  • Abschattung des Lichtbogens durch das Werkstück

Bei letzterem hilft häufig nur ein Helm mit vier Sensoren.


Passender Arbeitsschutz

Automatikschweißhelme, Schweißerhandschuhe, schwer entflammbare Schutzkleidung und Schweißschutzvorhänge findest du in unserem Shop.

Bei Fragen zur passenden Schutzstufe für dein Schweißverfahren melde dich gerne bei uns – wir beraten aus Stuhr bei Bremen.

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Autor

Dennis Haberland

Als Ansprechpartner für Fachhändler, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen setzt er sich intensiv mit Schweißgeräten, Schweißzubehör, Arbeitsschutz und den Anforderungen moderner Werkstätten auseinander.

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