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Wolframelektroden beim WIG-Schweißen: Auswahl, Anschliff und typische Fehler

Wolframelektrode beim WIG Schweißen

Wolframelektroden beim WIG-Schweißen: Auswahl, Anschliff und typische Fehler

Die Wolframelektrode ist das kleinste und günstigste Teil beim WIG-Schweißen und beeinflusst das Ergebnis stärker als fast alles andere. Falsche Sorte, falscher Anschliff oder die falsche Schleifrichtung reichen aus, damit der Lichtbogen wandert statt sauber auf dem Schweißpunkt zu stehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gold (WL15) und Blau (WL20) sind die heutigen Universalelektroden für Gleich- und Wechselstrom.
  • Rot (WT20) enthält Thorium und ist radioaktiv. Problematisch ist vor allem der Schleifstaub. Heute besser ersetzen.
  • Immer längs schleifen, niemals quer zur Elektrodenachse.
  • Flacher Anschliffwinkel für hohe Ströme, spitzer Anschliff für niedrige Ströme.
  • Berührt die Elektrode das Schmelzbad, muss sie neu angeschliffen werden.

Die Farbkennzeichnung nach DIN EN ISO 6848

Farbe Kurzzeichen Legierung Eignung
Grün WP Reines Wolfram AC, Aluminium; bildet eine Kugel an der Spitze. Heute überwiegend ersetzt
Gold WL15 1,5 % Lanthanoxid AC und DC, Universalelektrode, sehr gute Zündeigenschaften
Blau WL20 2 % Lanthanoxid AC und DC, universell, etwas höhere Strombelastbarkeit als WL15
Grau WC20 2 % Ceroxid DC, besonders im unteren Strombereich, hervorragende Zündung, gut für dünne Bleche
Rot WT20 2 % Thoriumoxid DC, Stahl; radioaktiv, nicht mehr empfohlen
Weiß WZ8 Zirkonoxid AC, Aluminium, hohe Standzeit der Kugelform
Schwarz WL10 1 % Lanthanoxid AC und DC, sparsamer legierte Variante der Lanthanreihe

Weitere genormte, aber heute selten genutzte Farben:

  • Gelb (WT10)
  • Lila (WT30)
  • Orange (WT40)

Diese Typen enthalten ebenfalls Thorium und sind aus denselben Gründen wie Rot nicht mehr empfehlenswert.

Braun steht für WZ3 mit geringerem Zirkonanteil.

Die Farbmarkierung befindet sich an der Elektrodenspitze. Ein Blick auf die Farbe spart oft die Suche nach dem Datenblatt.


Pink, Pink-Grau und Türkis: die nicht genormten Elektroden

Hier wird es unübersichtlich.

Nicht jede im Handel erhältliche Wolframelektrode ist in der ISO 6848 erfasst. Gerade moderne Mehrkomponenten-Elektroden werden häufig mit Herstellerfarben wie:

  • Pink
  • Pink-Grau
  • Türkis
  • Lila

angeboten.

Typische Herstellerbezeichnungen sind:

  • WS2
  • WR2
  • LaRc

Gemeinsamkeiten dieser Elektroden

  • Thoriumfrei und damit strahlungsfrei
  • Problemlose Entsorgung
  • Keine Belastung durch radioaktiven Schleifstaub
  • Für AC und DC geeignet
  • Auch für Plasmaschweißen geeignet
  • Sehr gutes Zündverhalten
  • Lange Standzeit
  • Breiter Anwendungsbereich

Geeignet für:

  • Unlegierte Stähle
  • Hochlegierte Stähle
  • Aluminium
  • Titan
  • Nickel
  • Kupfer
  • Magnesium

Sie eignen sich besonders gut für:

  • Automatisierte Prozesse
  • Roboterschweißen
  • Serienfertigung

Der Nachteil:

Sie sind meist teurer als Gold-, Blau- oder Grauelektroden.

Wichtiger Hinweis

Die Zusammensetzung dieser Elektroden ist nicht genormt, sondern herstellerspezifisch.

Das bedeutet:

  • Pink ist nicht gleich Pink.
  • Die Farbe allein sagt nichts über die genaue Zusammensetzung aus.
  • Maßgeblich ist immer das Datenblatt des Herstellers.

Besonders bei Arbeiten mit Schweißanweisungen oder Nachweispflicht sollte geprüft werden, ob der eingesetzte Elektrodentyp zulässig ist.

Ein praktischer Vorteil vieler dieser Elektroden:

Sie werden bereits fertig angeschliffen geliefert, häufig mit einem definierten Längsschliff von etwa 28°. Dadurch wird die häufigste Fehlerquelle beim Anschleifen eliminiert.


Thorierte Elektroden (Rot): Warum ersetzen?

Thoriumoxid ist ein natürlich radioaktiver Stoff.

Von der eingesetzten Elektrode selbst geht bei sachgerechter Anwendung nur eine geringe Belastung aus.

Das eigentliche Problem entsteht beim Schleifen:

  • Feiner Schleifstaub wird freigesetzt
  • Dieser kann eingeatmet werden
  • Der Staub lagert sich im Körper ab
  • Er fällt als belasteter Abfall an

Empfehlung

Moderne Lanthan- und Cer-dotierte Elektroden erreichen heute dieselbe oder sogar eine bessere Leistung.

Wer noch rote Elektroden verwendet, sollte:

  • Eine Absaugung einsetzen
  • Schleifstaub nicht in die Werkstattluft gelangen lassen

Beim nächsten Einkauf empfiehlt sich der Wechsel auf:

  • WL15 (Gold)
  • WL20 (Blau)
  • WC20 (Grau)

Durchmesser und Stromstärke

Durchmesser DC (Richtwert) AC (Richtwert)
1,0 mm 15–80 A 20–60 A
1,6 mm 70–150 A 60–120 A
2,0 mm 100–200 A 80–160 A
2,4 mm 150–250 A 120–210 A
3,2 mm 220–350 A 180–280 A
4,0 mm 330–480 A 250–400 A

Die Werte sind Richtwerte und hängen zusätzlich ab von:

  • Legierung
  • Schutzgas
  • Anschliff
  • Schweißaufgabe

Zwei typische Fehler

Elektrode zu dick für den Strom

Folgen:

  • Lichtbogen wandert
  • Unruhiges Zündverhalten
  • Schlechte Kontrolle bei dünnem Material

Elektrode zu dünn für den Strom

Folgen:

  • Spitze schmilzt ab
  • Wolframeinschlüsse in der Naht
  • Schlechtere Nahtqualität

Richtig schleifen: die entscheidende Handfertigkeit

Längs, nicht quer

Beim Schleifen entstehen Riefen.

Verlaufen diese längs zur Elektrodenachse:

  • Der Lichtbogen folgt den Schleifspuren
  • Die Elektrode zündet sauber
  • Der Lichtbogen bleibt stabil

Verlaufen die Riefen quer:

  • Der Lichtbogen springt
  • Die Zündung wird unruhig
  • Der Lichtbogen wandert

Deshalb gilt:

Immer längs zur Achse schleifen und die Elektrode dabei drehen.


Anschliffwinkel

Anschliff Wirkung Einsatz
Spitz (ca. 20–30°) Konzentrierter Lichtbogen, leichtes Zünden Niedrige Ströme, dünne Bleche, Wurzellagen
Mittel (ca. 30–60°) Universeller Kompromiss Standardanwendungen
Flach (ca. 60–90°) Breiter Lichtbogen, hohe Belastbarkeit Hohe Ströme, dicke Bleche

Faustregel

Die Anschlifflänge sollte etwa das Zwei- bis Zweieinhalbfache des Elektrodendurchmessers betragen.


Spitze leicht abstumpfen

Eine nadelspitze Elektrode hält oft nicht lange.

Eine minimal abgeflachte Spitze:

  • Verdampft nicht so schnell
  • Erhöht die Standzeit deutlich
  • Stabilisiert die Zündung

Besonderheiten bei Wechselstrom (AC)

Bei Aluminiumschweißungen mit Wechselstrom bildet sich bei:

  • Reinem Wolfram (WP)
  • Zirkoniumelektroden (WZ8)

automatisch eine Kugel an der Spitze.

Diese Kugelform ist gewollt und sollte nicht entfernt werden.

Lanthanelektroden werden dagegen meist leicht angespitzt gefahren und bilden lediglich eine kleine Verrundung.


Womit schleifen?

Diamantscheibe verwenden

Diamantscheiben sind die richtige Wahl, weil Wolfram extrem hart ist.

Normale Korundscheiben:

  • Verschleißen schnell
  • Können Fremdpartikel eintragen

Eigene Schleifscheibe nutzen

Die Schleifscheibe sollte ausschließlich für Wolfram verwendet werden.

Wurden zuvor Stahl oder Aluminium bearbeitet, können Verunreinigungen entstehen, die später als Einschlüsse in der Naht auftauchen.

Absaugung verwenden

Besonders wichtig bei thorierten Elektroden.

Alternativ eignet sich Nassschleifen, wenn keine Absaugung vorhanden ist.

Spezielle Wolframschleifgeräte

Diese Geräte sorgen für:

  • Reproduzierbare Anschliffe
  • Gleichbleibende Winkel
  • Konstante Zündeigenschaften

Für WIG-intensive Betriebe sind sie oft sinnvoll.


Was die Elektrode ruiniert

Kontakt mit dem Schmelzbad

Die Spitze wird sofort verunreinigt.

Folge:

  • Neu anschleifen

Andernfalls entstehen Wolframeinschlüsse.

Kontakt mit dem Zusatzwerkstoff

Führt zum gleichen Problem.

Zu wenig Schutzgas oder Zugluft

Folgen:

  • Oxidation
  • Dunkle Spitze
  • Schlechtere Zündung

Zu kurze Gasnachströmzeit

Das Schutzgas muss nach dem Schweißen weiterströmen, bis die Elektrode ausreichend abgekühlt ist.

Zu kurze Nachströmzeiten führen zu:

  • Anlauffarben
  • Oxidation
  • Kürzerer Standzeit

Zu weit aus der Gasdüse herausragend

Die Schutzgasabdeckung reicht nicht mehr aus.

Merksatz

Eine dunkel angelaufene Elektrodenspitze weist fast immer auf ein Gas- oder Kühlproblem hin, nicht auf eine schlechte Elektrode.


Herausragen und Gaslinse

Als Richtwert sollte die Elektrode etwa um ihren eigenen Durchmesser aus der Gasdüse herausragen.

In engen Kehlnähten darf es etwas mehr sein.

Die Gaslinse

Eine Gaslinse ist ein Einsatz mit feinen Sieben im Gasverteiler.

Vorteile:

  • Beruhigt die Gasströmung
  • Verbessert die Schutzgasabdeckung
  • Erlaubt größeres Herausragen der Elektrode
  • Bessere Sicht auf die Schweißstelle

Besonders sinnvoll für:

  • Edelstahl
  • Sichtnähte
  • Schwer zugängliche Bereiche
  • Hohe Anforderungen an die Nahtoptik

Viele Schweißer betrachten die Gaslinse als die sinnvollste Nachrüstung für einen WIG-Brenner.


Häufige Fragen

Welche Elektrode für Aluminium?

Traditionell:

  • Weiß (WZ8)
  • Grün (WP)

Heute überwiegend:

  • Gold (WL15)
  • Blau (WL20)

weil diese universeller einsetzbar sind.


Welche Elektrode für Edelstahl?

Gleichstrom, negativ gepolt, mit:

  • Gold (WL15)
  • Blau (WL20)
  • Grau (WC20)

Im unteren Strombereich bietet WC20 häufig die besten Zündeigenschaften.


Was sind pinke oder türkise Wolframelektroden?

Mehrkomponenten-Elektroden mit Zusätzen seltener Erden.

Eigenschaften:

  • Thoriumfrei
  • Für AC und DC geeignet
  • Sehr gutes Zündverhalten
  • Lange Standzeit
  • Besonders für automatisierte Anwendungen geeignet

Da ihre Zusammensetzung nicht genormt ist, zählt immer das Datenblatt des Herstellers und nicht die Farbe.


Kann ich thorierte Elektroden noch verwenden?

Ja, verboten sind sie nicht.

Sinnvoll sind sie heute jedoch kaum noch.

Beim Schleifen sollte unbedingt eine Absaugung verwendet werden. Moderne Lanthanelektroden bieten vergleichbare oder bessere Eigenschaften.


Warum wandert mein Lichtbogen?

Die häufigsten Ursachen:

  • Quer geschliffene Elektrode
  • Zu große Elektrode für den gewählten Strom
  • Verschmutzte Spitze durch Badkontakt
  • Ausgeschlagene Spannhülse im Brenner

Wie oft muss ich neu anschleifen?

Immer:

  • Nach Kontakt mit dem Schmelzbad
  • Nach Kontakt mit dem Zusatzstab

Zusätzlich sobald:

  • Die Spitze verrundet
  • Die Spitze dunkel angelaufen ist

Bei sauberer Arbeitsweise hält ein Anschliff überraschend lange.


Passende Elektroden und Zubehör

Wolframelektroden, Spannhülsen, Gaslinsen, Keramikdüsen und WIG-Brenner findest du in unserem Shop.

Bei Fragen zur Auswahl für deinen Brennertyp oder Werkstoff melde dich gerne bei uns – wir beraten aus Stuhr bei Bremen.

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Autor

Dennis Haberland

Als Ansprechpartner für Fachhändler, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen setzt er sich intensiv mit Schweißgeräten, Schweißzubehör, Arbeitsschutz und den Anforderungen moderner Werkstätten auseinander.

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