Das Wichtigste in Kürze
- Unlegierter Stahl: Mischgas aus Argon mit 15 bis 25 % CO₂ (Gruppe M21) ist der Standard.
- Edelstahl (CrNi): Argon mit nur 2 bis 3 % CO₂ (Gruppe M12) – hoher CO₂-Anteil kohlt die Naht auf.
- Aluminium: Reines Argon, bei dickem Material mit Heliumanteil.
- Gasmenge als Faustregel: Etwa das Zehn- bis Zwölffache des Drahtdurchmessers in Litern pro Minute.
- Mehr Gas ist nicht besser: Zu hohe Durchflussmengen reißen Luft mit ins Schmelzbad.
MIG oder MAG – der Unterschied liegt nur im Gas
Beide Verfahren arbeiten mit einer abschmelzenden Drahtelektrode unter Schutzgas. Unterschieden wird ausschließlich nach der Gasart:
- MIG (Metall-Inertgas, Prozess 131 nach ISO 4063) nutzt inerte Gase, also Argon und Helium. Diese reagieren nicht mit der Schmelze.
- MAG (Metall-Aktivgas, Prozess 135) nutzt aktive Gase, also CO₂ oder Mischungen mit CO₂ und Sauerstoff. Sie greifen chemisch ein und werden gezielt eingesetzt, etwa um den Einbrand zu vertiefen.
Dein Gerät kann beides. Es kommt darauf an, was an der Flasche hängt.
Gasgruppen nach DIN EN ISO 14175
Schutzgase werden nach ISO 14175 bezeichnet. Die Kennzeichnung sieht sperrig aus, ist aber praktisch:
ISO 14175 – M21 – ArC – 18 bedeutet Mischgas der Gruppe M21 aus Argon und Kohlendioxid mit 18 % CO₂.
| Gruppe | Zusammensetzung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| I1 | 100 % Argon | Aluminium, Kupfer, Nickel (MIG) |
| I3 | Argon + Helium | Aluminium in größeren Dicken, höhere Wärmeeinbringung |
| M12 | Argon + bis 5 % CO₂ | Edelstahl, Impulsschweißen |
| M13 | Argon + bis 3 % O₂ | Edelstahl, spritzerarm |
| M20 | Argon + 5–25 % CO₂ | Unlegierter Stahl |
| M21 | Argon + 15–25 % CO₂ | Unlegierter und niedriglegierter Stahl – der Klassiker |
| M22–M27 | Mehrkomponentengemische | Sonderanwendungen |
| C1 | 100 % CO₂ | Stahl, tiefer Einbrand, spaltüberbrückend |
Im Handel begegnen dir Markennamen statt Normbezeichnungen. Die verbreitetste Mischung, Argon mit 18 % CO₂, heißt bei Linde Corgon 18, bei anderen Anbietern anders – dahinter steckt dieselbe M21-Mischung.
Welches Gas für welchen Werkstoff?
Unlegierter und niedriglegierter Stahl
Standard: Argon mit 18 % CO₂ (M21).
Vorteile:
- Universell einsetzbar
- Gute Spaltüberbrückung
- Tiefer Einbrand
- Für Kurz-, Sprüh- und Impulslichtbogen geeignet
Mehr CO₂ (bis 25 % oder reines CO₂, C1)
Vorteile:
- Tieferer, sichererer Einbrand
- Gut in Zwangslagen
- Weniger Porenempfindlichkeit
- Geringere thermische Brennerbelastung
Nachteile:
- Deutlich mehr Spritzer
- Kein Sprühlichtbogen möglich
Weniger CO₂ (unter 15 %)
Vorteile:
- Spritzerärmer
- Schönere Nahtoberfläche
- Besser für Impulsschweißen
Nachteile:
- Empfindlicher gegen Poren
- Schlechtere Spaltüberbrückung
Praktische Folge: Wer viel heftet, im Freien arbeitet oder Spalte schließt, fährt mit höherem CO₂-Anteil besser. Wer Sichtnähte schweißt, mit niedrigerem.
Edelstahl und nichtrostende CrNi-Stähle
Hier ist der wichtigste Punkt eine Warnung:
Hohe CO₂-Anteile kohlen die Naht auf und schädigen die Korrosionsbeständigkeit. Reines CO₂ ist bei Edelstahl tabu.
Richtig sind Gase der Gruppe M12 mit rund 2 bis 2,5 % CO₂, alternativ M13 mit geringem Sauerstoffanteil. Für höhere Schweißgeschwindigkeit und bessere Nahtoptik gibt es Dreikomponentengemische aus Argon, Helium und wenig CO₂.
Zusätzlich zu beachten:
- Anlauffarben entstehen trotzdem und müssen entfernt werden – gebürstet oder gebeizt, sonst rostet die Naht später an.
- Bei durchgeschweißten Nähten an Rohren und Behältern brauchst du Wurzelschutz von der Rückseite (siehe unten).
Aluminium und Aluminiumlegierungen
Reines Argon (I1) ist der Standard.
Aluminium verträgt kein CO₂ – es entstehen sofort Poren und Oxidprobleme.
Bei dickeren Querschnitten kommt Argon mit Heliumanteil (I3) zum Einsatz. Helium erhöht die Wärmeeinbringung, macht das Schmelzbad flüssiger und verbessert den Einbrand.
Der Nachteil:
- Helium ist deutlich teurer.
- Helium ist leichter als Luft, weshalb die Durchflussmenge höher liegen muss.
Aluminium braucht außerdem eine höhere Gasmenge als Stahl, weil Argon in der Alu-Anwendung mit größerer Düse und offenerem Lichtbogen gefahren wird.
Fülldrähte
- Gasgeschützte Fülldrähte laufen mit M21 oder mit reinem CO₂.
- Metallpulverfülldrähte bevorzugen mischgasbetonte Varianten.
- Selbstschützende Fülldrähte brauchen kein Gas. Sie sind die Lösung bei Wind und im Freien, produzieren aber mehr Rauch, Spritzer und Schlacke.
Wie viel Gas? Die Durchflussmenge
Faustregel:
Drahtdurchmesser in Millimetern × 10 bis 12 = Durchflussmenge in Litern pro Minute
| Drahtdurchmesser | Richtwert |
|---|---|
| 0,8 mm | 8–10 l/min |
| 1,0 mm | 10–12 l/min |
| 1,2 mm | 12–15 l/min |
| Aluminium | 15–20 l/min |
Nach oben abweichen solltest du bei:
- Großen Gasdüsen
- Zwangslagen
- Leichter Luftbewegung
Nach unten:
- Bei sehr engen Zugangsstellen
Wichtig: Mehr ist nicht besser
Bei zu hoher Menge wird die Gasströmung turbulent und reißt Umgebungsluft mit ins Schmelzbad. Das Ergebnis sind genau die Poren, die man vermeiden wollte.
Wer Poren bekämpft, indem er das Gas aufdreht, verschlimmert das Problem oft.
Und die häufigste Ursache für Gasmangel ist gar nicht die Einstellung, sondern eine mit Spritzern zugesetzte Gasdüse.
Zugluft: der unterschätzte Gegner
Ab etwa 2 m/s Luftbewegung wird die Schutzgasglocke weggeblasen.
Das erreicht problemlos:
- Ein offenes Hallentor
- Ein Ventilator
- Eine schlecht positionierte Absaugung
Typische Symptome:
- Poren
- Unruhiger Lichtbogen
- Matte Naht
Abhilfe
- Schweißschutzwände oder Schweißvorhänge nutzen
- Absaugung nicht direkt auf die Naht richten
- Im Freien auf Fülldraht wechseln
Formieren und Wurzelschutz
Bei nichtrostenden Stählen oxidiert die Nahtwurzel auf der Rückseite, wenn dort keine Schutzatmosphäre herrscht.
Die Folgen:
- Zunder
- Anlauffarben
- Verminderte Korrosionsbeständigkeit
Verwendet werden dafür:
- Argon
- Formiergas aus Stickstoff mit Wasserstoffanteil
Formiergas hat einen zusätzlichen reduzierenden Effekt, ist aber für einige Werkstoffgruppen nicht zulässig. Bei ferritischen und martensitischen Stählen sowie bei Titan besteht Versprödungsgefahr durch Wasserstoff.
Gasflaschen: Größen, Reichweite, Praxis
Der Inhalt einer Flasche ergibt sich aus Wasservolumen und Fülldruck:
| Flaschengröße | Fülldruck | Gasinhalt |
|---|---|---|
| 10 l | 200 bar | ca. 2.000 l |
| 20 l | 200 bar | ca. 4.000 l |
| 50 l | 200 bar | ca. 10.000 l |
Reichweite überschlagen
Eine 20-l-Flasche mit 4.000 Litern reicht bei 12 l/min für etwa 330 Minuten reine Lichtbogenzeit – also gut fünf Stunden.
Da die tatsächliche Lichtbogenzeit meist bei 20 bis 30 % der Arbeitszeit liegt, entspricht das mehreren Arbeitstagen.
Miete oder Kauf?
- Eigentumsflaschen rechnen sich bei regelmäßigem Verbrauch.
- Mietflaschen lohnen sich bei gelegentlicher Nutzung.
Rechne bei Mietflaschen die laufende Miete über die Jahre gegen. Sie übersteigt den Flaschenpreis erstaunlich schnell.
Restmenge bestimmen
Am Inhaltsmanometer ablesen und ins Verhältnis zum Fülldruck setzen.
Beispiel:
- 50 bar von 200 bar = 25 % Restinhalt
Das gilt nur für verdichtete Gase wie Argon und Mischgas.
Bei reinem CO₂, das flüssig gelagert wird, sagt der Druck nichts über die Restmenge aus. Hier hilft nur Wiegen.
Sicherheit im Umgang mit Gasflaschen
- Flaschen immer gegen Umfallen sichern, im Fahrzeug ebenfalls.
- Ventil beim Transport schließen, Schutzkappe aufsetzen.
- Niemals fetten oder ölen, besonders nicht bei Sauerstoff.
- Erstickungsgefahr: Argon und CO₂ sind schwerer als Luft und sammeln sich in Gruben, Behältern und Kellern.
- In engen Räumen ist ausreichende Lüftung Pflicht, nicht Empfehlung.
- Beschädigte Druckminderer nicht weiterverwenden.
- Manometerglas und Anschlussgewinde regelmäßig prüfen.
Dichtheit des Gassystems prüfen
Ein undichtes Gassystem kostet Geld und erzeugt Poren.
Zwei Prüfungen finden zusammen fast alles.
1. Standprobe (Druckhaltetest)
- Flaschenventil öffnen und Arbeitsdruck beziehungsweise Durchflussmenge wie gewohnt einstellen.
- Flaschenventil wieder schließen, Brennertaster nicht betätigen.
- Inhaltsmanometer beobachten.
Fällt der Druck innerhalb von 10 bis 15 Minuten merklich ab, ist das System zwischen Flaschenventil und Magnetventil undicht.
Für langsame Lecks die Anlage über Nacht stehen lassen.
Wichtig
Bei möglichst gleichbleibender Temperatur prüfen.
Eine über Nacht auskühlende Halle senkt den Druck auch ohne Leck und führt zu Fehldiagnosen.
2. Lecksuchspray oder Seifenlauge
Bei anstehendem Anlagendruck auf alle Verbindungen aufsprühen.
Blasenbildung zeigt die undichte Stelle.
Niemals Öl, Fett oder eine offene Flamme zur Lecksuche verwenden.
Prüfstellen in der typischen Reihenfolge
- Schlauchtüllen und Schlauchschellen
- Gasschlauch über die gesamte Länge
- Dichtung im Flaschenanschluss des Druckminderers
- Manometeranschlüsse und Gehäuse des Druckminderers
- Anschluss am Gerät und Magnetventil
- Zentralanschluss des Brenners und Gasverteiler im Brennerhals
Der Fall, den die Standprobe nicht findet
Eine lose Verbindung hinter dem Druckminderer kann bei strömendem Gas Luft ansaugen, ohne dass dabei Druck verloren geht.
Der Druckhaltetest ist dann einwandfrei – und du bekommst trotzdem Poren.
Dagegen hilft nur eine Messung direkt an der Gasdüse mit einem aufsteckbaren Durchflussmesser.
Kommt dort weniger an als am Gerät eingestellt, hast du entweder:
- Ein Leck
- Eine Verstopfung
Ein Blick in die Gasdüse trennt beides voneinander.
Merkregel
Eine plötzlich porige, matte Naht ohne Änderung der Einstellung ist praktisch immer ein Gasproblem – zugesetzte Düse, Zugluft oder Undichtigkeit.
Häufige Fragen
Kann ich Edelstahl mit Mischgas 18 % CO₂ schweißen?
Technisch entsteht eine Naht, aber sie kohlt auf und verliert Korrosionsbeständigkeit. Für tragende oder sichtbare Edelstahlarbeiten ist das keine Option.
Nimm ein Gas mit rund 2 % CO₂.
Warum habe ich Poren, obwohl das Gas läuft?
Die häufigsten Ursachen:
- Zugesetzte Gasdüse
- Zugluft
- Zu großer Abstand zwischen Düse und Werkstück
- Verschmutztes oder feuchtes Material
- Undichter Gasschlauch
- Defekter Magnetventil-Gasvorlauf
- Zu hohe Gasmenge
Was ist der Unterschied zwischen Druckminderer und Durchflussmesser?
Der Druckminderer reduziert den Flaschendruck auf Arbeitsdruck.
Der Durchflussmesser zeigt die Gasmenge in Litern pro Minute.
Übliche Geräte kombinieren beides:
- Ein Manometer für den Flascheninhalt
- Ein weiteres Manometer oder ein Schwebekörper für die Durchflussmenge
Ist reines CO₂ noch üblich?
Ja.
Vor allem bei Stahl mit hohen Anforderungen an den Einbrand, in Zwangslagen und bei Fülldrahtanwendungen.
Vorteile:
- Günstig
- Hoher Einbrand
Nachteile:
- Mehr Spritzer
- Mehr Nacharbeit
Wie erkenne ich, ob mein Gassystem noch dicht ist?
Über zwei Prüfungen:
- Standprobe mit geschlossenem Flaschenventil und beobachtetem Manometer
- Lecksuchspray auf allen Verbindungen
Achtung: Eine Verbindung, die bei strömendem Gas Luft ansaugt, verliert keinen Druck und bleibt bei der Standprobe unentdeckt.
Dann hilft nur die Durchflussmessung direkt an der Gasdüse.
Die ausführliche Anleitung steht im Abschnitt „Dichtheit des Gassystems prüfen“.
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Bei Fragen zur richtigen Kombination für dein Gerät melde dich – wir beraten aus Stuhr bei Bremen.
