Ein MIG/MAG-Schweißgerät zu kaufen ist unangenehm, weil die Datenblätter alle gleich klingen. 200 Ampere hier, 200 Ampere dort – nur kostet das eine 400 Euro und das andere 2.400. Der Unterschied steckt in Details, die auf dem Karton nicht stehen.
Diese Beratung geht die Kriterien in der Reihenfolge durch, in der sie über Zufriedenheit oder Fehlkauf entscheiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Stromanschluss entscheidet zuerst. 230 V bedeutet in der Praxis bis etwa 200 A, darüber brauchst du 400 V Drehstrom.
- Faustregel für die Leistung: rund 30 bis 40 Ampere pro Millimeter Blechdicke.
- Die Einschaltdauer ist wichtiger als der Spitzenstrom. Ein Gerät mit 200 A bei 60 % ED arbeitet länger als eines mit 250 A bei 20 %.
- Puls lohnt sich, sobald du Aluminium, Edelstahl oder dünne Bleche mit sauberer Optik schweißt.
- Rechne den Brenner und die Verschleißteile mit ein. Sie machen über die Lebensdauer oft mehr aus als die Preisdifferenz beim Gerät.
1. Welcher Stromanschluss steht zur Verfügung?
Das ist die erste Frage, weil sie alles Weitere begrenzt.
230 V Wechselstrom (Schuko oder blauer CEE-Stecker)
Geräte für die normale Steckdose liegen üblicherweise bei maximal 180 bis 200 A. Physikalisch ist mehr aus einer 16-A-Leitung nicht sinnvoll zu holen. Für Reparaturen, Zaunbau, Anhängerarbeiten, Karosserie und Blechstärken bis etwa 5 mm ist das völlig ausreichend. Achte auf eine träge Sicherung – flinke Automaten lösen beim Zünden gern aus.
400 V Drehstrom (CEE 16 A oder 32 A)
Ab etwa 250 A aufwärts unumgänglich. Vorteile über die reine Leistung hinaus: gleichmäßigere Netzbelastung, höhere Einschaltdauer, mehr Reserven bei langen Nähten.
Betrieb am Stromerzeuger oder an langer Leitung
Hier lohnt ein Gerät mit PFC (Power Factor Correction). Es toleriert Spannungsschwankungen deutlich besser und nimmt weniger Strom auf. Wenn du auf Montage arbeitest, ist das kein Luxus, sondern die Differenz zwischen „funktioniert“ und „Gerät geht in Störung“.
2. Wie viel Ampere brauchst du wirklich?
Die gängige Faustregel: etwa 30 bis 40 Ampere pro Millimeter Materialstärke.
| Blechdicke | Grober Strombedarf | Typische Gerätegröße |
|---|---|---|
| 1–2 mm (Karosserie, Dünnblech) | 40–80 A | 150–180 A |
| 3–5 mm (Zaun, Rahmen, Anhänger) | 100–180 A | 180–250 A |
| 6–10 mm (Metallbau, Stahlbau) | 200–300 A | 250–350 A |
| über 10 mm (mehrlagig) | 250 A und mehr | ab 350 A oder Mehrlagentechnik |
Zwei Einschränkungen dazu. Erstens gilt die Regel für Kehlnähte in Wannenlage – in Zwangslagen fährst du bewusst niedriger. Zweitens kannst du dicke Bleche auch mit einem kleineren Gerät fügen, indem du mehrlagig arbeitest und die Naht vorbereitest. Es dauert nur länger.
Kaufe eher etwas mehr Reserve als zu knapp. Ein Gerät am Anschlag läuft heiß, ein Gerät bei 60 % Auslastung hält Jahrzehnte.
3. Einschaltdauer: die Zahl, die alle überlesen
Die Einschaltdauer (ED) beschreibt, wie lange ein Gerät seinen Nennstrom in einem Zehn-Minuten-Zyklus liefern kann, gemessen nach EN 60974-1 bei 40 °C Umgebungstemperatur.
Ein Beispiel: 200 A bei 60 % ED bedeutet sechs Minuten schweißen, vier Minuten Pause. Wird das ignoriert, schaltet die Thermosicherung ab – im besten Fall mitten in der Naht, im schlechteren mit Ausfall der Elektronik.
Achte beim Vergleich auf zwei Fallstricke:
- Manche Hersteller nennen die ED bei einem deutlich niedrigeren Strom als dem Maximalstrom. „250 A“ und „180 A bei 60 % ED“ können dasselbe Gerät beschreiben.
- Werte bei 20 °C statt 40 °C schmeicheln dem Datenblatt und helfen dir im Sommer nicht.
Für Hobby und Reparatur genügen 20 bis 30 %. Für gewerbliches Arbeiten solltest du 50 % und mehr beim tatsächlich genutzten Strom ansetzen.
4. Gasgekühlt oder wassergekühlt?
Gasgekühlt deckt den größten Teil der Anwendungen ab und ist einfacher: kein Kühlmittel, kein Schlauchpaket-Wechsel, weniger Wartung. Sinnvoll bis etwa 250 bis 300 A, abhängig von Einschaltdauer und Nahtlänge.
Wassergekühlt lohnt sich bei hohen Strömen, langen Nähten, mechanisiertem Schweißen und überall dort, wo der Brenner in der Hand sonst unangenehm heiß wird. Der Brenner ist schlanker und leichter, weil weniger Kupferquerschnitt nötig ist – ein Argument, das nach acht Stunden zählt. Nachteil: Kühlmittel prüfen, Frostschutz im Winter, mehr Verschleißstellen.
5. Stufenschaltung, Inverter oder Puls?
Stufengeschaltete Geräte regeln die Spannung in festen Stufen über einen Transformator. Robust, reparaturfreundlich, günstig – aber schwer, energiehungrig und in der Feineinstellung grob.
Inverter arbeiten mit Hochfrequenztechnik. Sie sind leichter, sparsamer, stufenlos einstellbar und bieten Kennlinien- oder Synergieprogramme: Du gibst Werkstoff, Drahtdurchmesser und Gas vor, das Gerät setzt Spannung und Drahtvorschub passend zueinander. Für Einsteiger ist das der größte Qualitätssprung überhaupt.
Impuls- bzw. Pulsschweißen überträgt das Material tropfenweise, kurzschlussfrei. Das bringt:
- nahezu spritzerfreie Nähte, also weniger Nacharbeit
- kontrollierte Wärmeeinbringung, damit weniger Verzug bei dünnem Blech
- sicheres Schweißen von Aluminium und Edelstahl
- mit Doppelpuls die gleichmäßige Schuppenoptik, die bei Sichtnähten erwartet wird
Puls kostet Aufpreis. Er rechnet sich, wenn du Sichtnähte lieferst, Aluminium schweißt oder dir Schleifarbeit sparen willst. Für reinen Stahlbau in Wannenlage ist er verzichtbar.
6. Drahtvorschub – der häufigste Ärgernisgrund
Ein unruhiger Lichtbogen kommt selten von der Stromquelle und fast immer vom Drahttransport.
- 2-Rollen-Antrieb genügt für kurze Schlauchpakete und Stahldraht.
- 4-Rollen-Antrieb transportiert gleichmäßiger, besonders bei 1,2 mm Draht, langen Paketen und weichen Drähten.
- Für Aluminium brauchst du eine U-förmige Rollennut, eine Teflon- oder Kunststoffseele im Schlauchpaket und möglichst kurze Wege.
- Stahlrollen mit V-Nut quetschen Alu-Draht flach, dann klemmt er.
- Spulenaufnahme: Prüfe, ob D200- und D300-Spulen passen. Große Spulen sind pro Kilogramm deutlich günstiger.
7. Funktionen, die sich im Alltag bezahlt machen
- 2-Takt/4-Takt: Bei langen Nähten musst du den Brennertaster nicht gedrückt halten.
- Intervall- und Punktschweißmodus: rettet dünnes Blech, weil das Material zwischen den Punkten abkühlt.
- Einstellbares Gasvor- und -nachströmen: schützt Nahtanfang und -ende vor Poren.
- Einschleichen und Kraterfüllen: sauberer Nahtbeginn, kein Endkrater.
- Fernregler-Anschluss: wer am Werkstück statt am Gerät arbeitet, spart sich viele Wege.
- Umschaltung auf E-Hand oder WIG: Kombigeräte sind ein guter Kompromiss für Werkstätten mit gemischten Aufgaben – bei sehr hohen Ansprüchen bleibt das Spezialgerät besser.
8. Was du beim Zubehör einrechnen musst
Das Gerät ist der Anfang. Zum arbeitsfähigen Arbeitsplatz gehören:
- Brenner passend zur Leistung, mit ausreichender Schlauchpaketlänge
- Verschleißteile: Stromdüsen, Gasdüsen, Düsenstock, Drahtführungsseele
- Massekabel und Masseklemme mit ausreichendem Querschnitt – ein unterdimensioniertes Massekabel erzeugt genau die Probleme, die man dem Gerät zuschreibt
- Druckminderer mit Durchflussmesser
- Gasflasche, gemietet oder gekauft
- Draht in passendem Durchmesser
- Arbeitsschutz: Automatikhelm, Schweißerhandschuhe, schwer entflammbare Kleidung
Rechne beim Preisvergleich immer die komplette Ausstattung – nicht nur die Stromquelle.
9. Entscheidungshilfe nach Einsatzzweck
Hobby, Reparaturen, gelegentlicher Einsatz
180 A, 230 V, Inverter mit Synergie, 2-Rollen-Antrieb, gasgekühlt. Wichtiger als Leistung ist hier eine verständliche Bedienung.
Handwerk, Metallbau, Schlosserei
200 bis 300 A, meist 400 V, 4-Rollen-Antrieb, ED von mindestens 50 % beim Arbeitsstrom, Puls wenn Edelstahl oder Sichtnähte dazukommen.
Industrie, Serienfertigung, Mehrschichtbetrieb
Ab 350 A, wassergekühlt, hohe ED, Puls und Doppelpuls, dokumentierbare Parameter, ausbaufähige Schnittstellen.
Montage und Baustelle
Gewicht, PFC und Robustheit schlagen jede Zusatzfunktion.
Häufige Fragen
Kann ich mit einem MIG-Gerät auch MAG schweißen?
Ja. Der Unterschied liegt im Schutzgas, nicht im Gerät. MIG arbeitet mit inerten Gasen wie Argon, MAG mit aktiven Gasmischungen. Ein Wechsel von Gas, Draht und gegebenenfalls Drahtführung genügt.
Welches Schweißgerät eignet sich für Aluminium?
Aluminium verlangt Puls oder mindestens sehr feine Regelbarkeit, dazu Argon als Schutzgas, U-Nut-Rollen und eine Kunststoffseele. Für dünnes Aluminium ist WIG mit Wechselstrom oft die bessere Wahl.
Reicht ein 230-V-Gerät für 5 mm Stahl?
In Wannenlage und mit passender Nahtvorbereitung ja, bei einem Gerät um 180 bis 200 A. Bei dickerem Material oder Zwangslagen wird es grenzwertig.
Was bedeutet Fülldraht ohne Gas?
Selbstschützender Fülldraht bringt seine Schutzwirkung im Draht mit und braucht keine Gasflasche. Praktisch im Freien und bei Wind, dafür mehr Spritzer, Schlacke und Rauch.
Wie lange hält ein Schweißgerät?
Bei passender Auslegung und gepflegten Verschleißteilen sind zehn bis zwanzig Jahre normal. Was Geräte tötet, ist dauerhafter Betrieb am Leistungsanschlag.
Unsicher bei der Auswahl?
Wir sitzen in Stuhr bei Bremen und beraten am Telefon oder per E-Mail – lieber ein Anruf als ein Fehlkauf. Schreib uns kurz, welches Material in welcher Dicke du schweißt und welcher Stromanschluss vorhanden ist. Den Rest klären wir.

