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Handgeführte Laserschweißgeräte: Vorteile, Grenzen und Sicherheitsanforderungen

Handgeführte Laserschweißgeräte: Vorteile, Grenzen und Sicherheitsanforderungen

Handgeführte Laserschweißgeräte haben in kurzer Zeit den Weg aus der Industrie in Schlossereien und Metallbaubetriebe gefunden. Die Leistungsversprechen sind groß und viele davon stimmen. Der oft unterschätzte Teil ist jedoch die Sicherheitsorganisation, die mit dem Einsatz dieser Technik verbunden ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutlich schneller als WIG, bei sehr guter Nahtoptik und minimalem Verzug.
  • Das Spaltmaß entscheidet. Laserschweißen verzeiht schlechte Passungen deutlich schlechter als andere Verfahren.
  • Die schweißbare Materialdicke ist begrenzt und abhängig von der Laserleistung.
  • Laserklasse 4 bringt umfangreiche organisatorische Pflichten mit sich, die vor dem Kauf geklärt werden müssen.
  • Für dünnwandigen Edelstahl im Sichtbereich gehört Laserschweißen aktuell zu den überzeugendsten Verfahren.

Wie handgeführtes Laserschweißen funktioniert

Ein Faserlaser erzeugt Strahlung im nahen Infrarotbereich, die über eine Lichtleitfaser zu einer handgeführten Schweißoptik geleitet wird.

Dort wird der Laserstrahl fokussiert und trifft mit sehr hoher Leistungsdichte auf eine kleine Fläche des Werkstücks.

Die Folge:

  • Sehr lokale Aufschmelzung
  • Schmale Wärmeeinflusszone
  • Geringe Verformung des Bauteils

Die meisten Geräte im Handwerksbereich arbeiten mit Leistungen zwischen:

  • 1.000 Watt
  • 3.000 Watt

Viele Anlagen verfügen über eine sogenannte Wobbelfunktion oder Pendeloptik.

Dabei wird der Fokuspunkt quer zur Naht bewegt.

Vorteile:

  • Breitere Naht
  • Höhere Toleranz bei Spalten
  • Bessere Nahtausbildung

Je nach Anwendung wird:

  • Mit Zusatzdraht geschweißt
  • Oder ohne Zusatzdraht gearbeitet

Ohne Zusatzdraht

Geeignet für:

  • Enge Stumpfstöße
  • Bördelnähte
  • Präzise Passungen

Mit Zusatzdraht

Geeignet für:

  • Kehlnähte
  • Spaltüberbrückung
  • Größere Fertigungstoleranzen

Als Schutzgas wird meist verwendet:

  • Argon
  • Teilweise Stickstoff bei Edelstahl

Die Stärken des Laserschweißens

Hohe Geschwindigkeit

Bei geeigneten Bauteilen arbeitet der Handlaser deutlich schneller als WIG.

Besonders spürbar bei:

  • Langen Nähten
  • Wiederholteilen
  • Gut zugänglichen Bauteilen

Minimaler Verzug

Durch die geringe Wärmeeinbringung entsteht wesentlich weniger Verzug als bei klassischen Lichtbogenverfahren.

Das ist besonders wichtig bei:

  • Dünnblech
  • Edelstahlverkleidungen
  • Küchenbau
  • Ladenbau
  • Geländern
  • Blechkonstruktionen

Für viele Betriebe ist dies der größte Vorteil des Verfahrens.


Hervorragende Nahtoptik

Die Nähte sind:

  • Schmal
  • Gleichmäßig
  • Sauber

Dadurch reduziert sich häufig:

  • Schleifarbeit
  • Polieraufwand
  • Nacharbeit allgemein

Besonders bei Sichtnähten aus Edelstahl ist das wirtschaftlich interessant.


Vorteile bei dünnem Material

Bleche, die beim WIG-Schweißen bereits sehr anspruchsvoll werden, lassen sich mit dem Handlaser häufig sicher verbinden.


Kurze Einarbeitungszeit

Für einfache Nahtformen lassen sich oft schneller brauchbare Ergebnisse erzielen als beim WIG-Schweißen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Laserschweißen keine Fachkenntnisse erfordert.

Komplexe Bauteile verlangen weiterhin Erfahrung und Prozessverständnis.


Die Grenzen des Verfahrens

Das Spaltmaß

Der Laserfokus ist sehr klein.

Ist der Spalt größer als die überbrückbare Breite des Strahls, schweißt der Laser teilweise ins Leere.

Je nach:

  • Optik
  • Wobbelfunktion
  • Zusatzdraht

liegt die Toleranz oft nur im Bereich weniger Zehntelmillimeter.

Konsequenz

Die Bauteilvorbereitung muss deutlich präziser erfolgen als beispielsweise beim MIG/MAG-Schweißen.

Wer bisher größere Spalte mit Schweißdraht ausgeglichen hat, muss seine Arbeitsweise anpassen.


Begrenzte Materialdicken

Handgeführte Laser im Bereich von 1,5 bis 2 kW eignen sich hauptsächlich für:

  • Dünne Bleche
  • Mittlere Materialstärken

Für:

  • Schwerstahlbau
  • Sehr große Nahtquerschnitte
  • Hohe Abschmelzleistungen

bleiben MIG/MAG und Unterpulverschweißen die wirtschaftlichere Lösung.

Praxistipp

Nicht auf Werbebroschüren verlassen.

Vor dem Kauf immer Schweißproben am eigenen Material verlangen.


Reflektierende Werkstoffe

Problematisch können sein:

  • Kupfer
  • Messing
  • Teilweise Aluminium

Diese Werkstoffe reflektieren Laserstrahlung stark.

Das kann:

  • Den Prozess erschweren
  • Die Optik belasten
  • Die Nahtqualität beeinträchtigen

Zugänglichkeit

Die Laseroptik ist größer und weniger flexibel als ein WIG-Brenner.

Dadurch entstehen Grenzen bei:

  • Innenwinkeln
  • Engen Ecken
  • Schwer zugänglichen Bereichen

Anschaffungskosten

Ein Handlaser kostet deutlich mehr als ein hochwertiges WIG-Schweißgerät.

Die Investition rechnet sich vor allem durch:

  • Kürzere Bearbeitungszeiten
  • Weniger Nacharbeit
  • Höheren Durchsatz

Bei geringer Auslastung ist die Wirtschaftlichkeit oft kritisch.


Sicherheit: Der meist unterschätzte Punkt

Laserklasse 4

Handgeführte Laserschweißgeräte gehören in der Regel zur Laserklasse 4, also der höchsten Gefahrenklasse.

Der Laser arbeitet im nahen Infrarotbereich.

Das bedeutet:

  • Die Strahlung ist unsichtbar.
  • Das Auge reagiert nicht mit einem Schutzreflex.
  • Netzhautschäden können entstehen, ohne dass der Strahl wahrgenommen wird.

Gefährlich sind nicht nur direkte Treffer, sondern auch:

  • Streustrahlung
  • Reflexionen

Laserschutz

Normale Schweißhelme oder Schweißbrillen reichen nicht aus.

Erforderlich ist:

Laserschutz, der exakt auf Wellenlänge und Leistung des eingesetzten Systems abgestimmt ist.

Das gilt für:

  • Schweißer
  • Helfer
  • Andere Personen im Laserbereich

Laserschutzbeauftragter

Beim Betrieb von Lasern der Klassen:

  • 3R
  • 3B
  • 4

muss eine fachkundige Person als Laserschutzbeauftragter benannt werden.


Gefährdungsbeurteilung

Vor Inbetriebnahme erforderlich:

  • Gefährdungsbeurteilung
  • Betriebsanweisung
  • Unterweisung der Beschäftigten

Abgrenzung des Laserbereichs

Der Arbeitsbereich muss gesichert werden durch:

  • Warnkennzeichnungen
  • Zugangsbeschränkungen
  • Geeignete Abschirmungen

Besonders häufig unterschätzt werden reflektierende Flächen in der Umgebung.


Sicherheitseinrichtungen am Gerät

Seriöse Systeme verfügen über:

  • Werkstückkontakterkennung
  • Verriegelungen
  • Sicherheitsschaltungen

Geräte ohne CE-Konformität oder entsprechende Schutzfunktionen können im professionellen Einsatz erhebliche Probleme verursachen.


Absaugung

Auch beim Laserschweißen entstehen:

  • Metallrauche
  • Feinstaub
  • Gefahrstoffe

Bei Edelstahl zusätzlich:

  • Chrom(VI)-Verbindungen
  • Nickeloxide

Eine wirksame Absaugung direkt an der Entstehungsstelle ist daher unverzichtbar.


Wichtiger Hinweis

Die genauen Anforderungen hängen ab von:

  • Gerätetyp
  • Arbeitsumgebung
  • Aufstellung
  • Betriebsweise

Diese Punkte sollten vor dem Kauf gemeinsam mit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit oder dem zuständigen Unfallversicherungsträger besprochen werden.


Vergleich: Handlaser vs. WIG

Kriterium Handlaser WIG
Geschwindigkeit Deutlich höher Langsamer
Verzug Sehr gering Moderat
Nahtoptik Sehr gut, kaum Nacharbeit Sehr gut, meist mehr Nacharbeit
Spaltüberbrückung Schwach bis mittel Gut
Materialdicken Dünn bis mittel Dünn bis dick
Zugänglichkeit Eingeschränkt Sehr gut
Einarbeitungszeit Kurz Lang
Anschaffungskosten Hoch Moderat
Sicherheitsaufwand Hoch (Laserklasse 4) Standard-Schweißerschutz

In der Praxis ersetzt der Handlaser das WIG-Gerät selten vollständig.

Meist ergänzt er es.


Für wen sich die Anschaffung lohnt

Besonders sinnvoll bei

  • Dünnwandigem Edelstahl
  • Sichtnähten
  • Wiederkehrenden Nahtgeometrien
  • Gute Passungen
  • Küchenbau
  • Ladenbau
  • Geländerbau
  • Dünnwandigem Behälterbau
  • Blechbearbeitung

Überall dort, wo Nacharbeit teuer ist, spielt der Handlaser seine Vorteile aus.


Weniger sinnvoll bei

  • Reparaturarbeiten mit unbekannten Werkstoffen
  • Schlechten Passungen
  • Schwerstahlbau
  • Geringer Maschinenauslastung
  • Stark wechselnden Aufgaben

Vor dem Kauf

Lass unbedingt Schweißproben erstellen:

  • Auf deinem Material
  • Mit deinen Materialstärken
  • In deinen typischen Nahtformen

Ein Vorführvideo ersetzt keine Praxisprobe.


Häufige Fragen

Ist Laserschweißen einfacher als WIG?

Bei gut vorbereiteten Bauteilen und einfachen Geometrien oft ja.

Bei:

  • Schlechten Passungen
  • Komplexen Geometrien
  • Schwieriger Zugänglichkeit

ist weiterhin viel Erfahrung erforderlich.


Kann ich mit einem Handlaser auch schneiden und reinigen?

Viele Geräte bieten Wechseloptiken für:

  • Schneiden
  • Reinigen

Das ist praktisch, ersetzt jedoch meist keine spezialisierten Anlagen.


Reicht mein normaler Schweißhelm?

Nein.

Ein Schweißhelm schützt nicht ausreichend gegen Laserstrahlung.

Erforderlich ist eine zur Wellenlänge und Leistung passende Laserschutzausrüstung.


Welche Leistung brauche ich?

Das hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Material
  • Materialstärke
  • Nahtgeometrie
  • Produktionsmenge

Unter 1.500 W wird es bei mittleren Materialstärken oft knapp.

Höhere Leistungen erhöhen:

  • Anschaffungskosten
  • Strombedarf
  • Kühlaufwand

Brauche ich einen 400-V-Anschluss?

In den meisten Fällen: ja.

Abhängig von:

  • Laserleistung
  • Kühlsystem
  • Herstellerkonzept

sollte die vorhandene elektrische Infrastruktur vor dem Kauf geprüft werden.


Beratung vor dem Kauf

Handgeführte Laserschweißgeräte sind eine leistungsfähige Ergänzung für viele Metallbau- und Edelstahlbetriebe. Entscheidend für eine erfolgreiche Einführung sind jedoch nicht nur Leistung und Schweißgeschwindigkeit, sondern auch Sicherheitsorganisation, Absaugung, Stromversorgung und das tatsächliche Bauteilspektrum.

Bei Fragen zur Auslegung, Wirtschaftlichkeit oder den Sicherheitsanforderungen beraten wir dich gerne aus Stuhr bei Bremen.

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Autor

Dennis Haberland

Als Ansprechpartner für Fachhändler, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen setzt er sich intensiv mit Schweißgeräten, Schweißzubehör, Arbeitsschutz und den Anforderungen moderner Werkstätten auseinander.

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