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WIG-Schweißgerät richtig einstellen: Stromart, AC-Balance, Puls und Gaszeiten

Personen arbeiten an einem Schweißgerät

WIG-Schweißgeräte bieten deutlich mehr Einstellmöglichkeiten als MIG/MAG-Anlagen. Viele dieser Funktionen bleiben jedoch ungenutzt, obwohl gerade Parameter wie Gasnachströmzeit, AC-Balance oder Down-Slope entscheidend dafür sind, ob eine Naht sauber, porenfrei und optisch hochwertig wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stahl und Edelstahl werden mit Gleichstrom (DC) und Elektrode am Minuspol geschweißt.
  • Aluminium wird mit Wechselstrom (AC) geschweißt.
  • Faustregel für Stahl: 30 bis 40 A pro Millimeter Materialstärke.
  • Für Aluminium mit AC: etwa 40 bis 45 A pro Millimeter.
  • Gasnachströmzeit: ungefähr 1 Sekunde pro 10 Ampere Schweißstrom.
  • Kontaktzündungen vermeiden, da sie die Wolframelektrode verunreinigen.

Stromart und Polung

DC− (Gleichstrom, Elektrode negativ)

Die Standard-Einstellung für:

  • Baustahl
  • Edelstahl
  • Titan
  • Kupfer
  • Nickelbasislegierungen

Dabei liegt der Großteil der Wärme im Werkstück, während die Elektrode vergleichsweise kühl bleibt.

Vorteile

  • Tiefer Einbrand
  • Lange Elektrodenstandzeit
  • Ruhiger Lichtbogen

AC (Wechselstrom)

Unverzichtbar für:

  • Aluminium
  • Magnesium

Der Wechselstrom übernimmt zwei Aufgaben:

Positive Halbwelle

  • Oxidschicht wird aufgebrochen
  • Reinigungseffekt

Negative Halbwelle

  • Einbrand ins Material

Ohne diesen Effekt lässt sich die harte Oxidschicht auf Aluminium nicht zuverlässig durchschweißen.


DC+ (Gleichstrom, Elektrode positiv)

In der Praxis kaum relevant.

Die Wärme konzentriert sich auf die Elektrode, wodurch diese schnell überhitzt und abschmilzt.


AC/DC oder DC-Gerät?

DC-Gerät reicht für

  • Stahl
  • Edelstahl
  • Titan

AC/DC-Gerät erforderlich für

  • Aluminium
  • Magnesium

Wer kein Aluminium schweißen möchte, benötigt in vielen Fällen kein AC/DC-Gerät.


Richtwerttabelle für WIG

Ausgangswerte für Stumpf- und Kehlnähte mit Argon.

Blechdicke Elektrode Strom Gasmenge Zusatzstab Gasdüse
1 mm 1,0–1,6 mm 20–40 A 6–7 l/min 1,0–1,6 mm Gr. 4–5
2 mm 1,6 mm 50–80 A 7–8 l/min 1,6–2,0 mm Gr. 5–6
3 mm 2,4 mm 90–130 A 8–10 l/min 2,0–2,4 mm Gr. 6–7
4 mm 2,4 mm 120–160 A 8–10 l/min 2,4–3,0 mm Gr. 6–8
6 mm 3,2 mm 180–230 A 10–12 l/min 3,0–4,0 mm Gr. 8
8 mm 3,2–4,0 mm 220–280 A 12–14 l/min 4,0 mm Gr. 8–10

Anpassungen in der Praxis

Aluminium

  • 10 bis 20 % mehr Strom
  • Etwas höhere Gasmenge

Edelstahl

  • Eher am unteren Strombereich arbeiten
  • Wärmeeinbringung begrenzen

Zwangslagen

  • Leistung um etwa 10 bis 15 % reduzieren

Zündarten

Hochfrequenzzündung (HF)

Der Standard beim WIG-Schweißen.

Ein Hochspannungsimpuls zündet den Lichtbogen berührungslos.

Vorteile

  • Keine Berührung des Werkstücks
  • Keine Verunreinigung der Elektrode
  • Höchste Prozesssicherheit

Nachteil

Kann empfindliche Elektronik beeinflussen.

Bei Fahrzeugen und elektronischen Baugruppen besonders beachten.


Liftarc

Die Elektrode berührt zunächst das Werkstück und wird anschließend leicht angehoben.

Vorteile

  • Keine Hochfrequenz
  • Geeignet in sensiblen Umgebungen

Nachteil

Etwas höherer Elektrodenverschleiß.


Kontaktzündung vermeiden

Die Elektrode darf nicht wie beim Elektrodenschweißen über das Werkstück gestrichen werden.

Folgen:

  • Verunreinigte Elektrode
  • Instabiler Lichtbogen
  • Schlechtere Nahtqualität

Die wichtigen AC-Parameter für Aluminium

AC-Balance

Die Balance bestimmt das Verhältnis zwischen:

  • Reinigung
  • Einbrand

Mehr Reinigungsanteil

Sinnvoll bei:

  • Stark oxidierten Oberflächen
  • Älteren Werkstücken

Nachteile:

  • Breitere Nähte
  • Höhere Elektrodenbelastung

Mehr Einbrandanteil

Sinnvoll bei:

  • Sauberen Werkstücken
  • Höheren Materialstärken

Vorteile:

  • Schmalere Naht
  • Tieferer Einbrand
  • Längere Elektrodenstandzeit

Praxistipp

Mit einer mittleren Balance starten und sich dann schrittweise in Richtung Einbrand bewegen.


AC-Frequenz

Die Frequenz beeinflusst die Form des Lichtbogens.

Hohe Frequenz

  • Engerer Lichtbogen
  • Schmalere Wärmeeinflusszone
  • Mehr Präzision

Ideal für:

  • Dünnblech
  • Kehlnähte

Niedrige Frequenz

  • Weicher Lichtbogen
  • Größere Reinigungswirkung
  • Breiteres Schmelzbad

Elektrodenform bei AC

Beim Aluminiumschweißen entsteht häufig eine kleine kugelförmige Spitze.

Das ist normal und gewünscht.

Nicht wieder spitz anschleifen.


Pulsen beim WIG-Schweißen

Beim Pulsen wechselt der Strom zwischen:

  • Pulsstrom
  • Grundstrom

Pulsstrom

Schmilzt das Material auf.

Grundstrom

Lässt das Schmelzbad teilweise abkühlen.


Niedrige Pulsfrequenzen

Etwa:

  • 0,5 bis 5 Hz

Vorteile:

  • Sichtbare Schuppung
  • Gute Kontrolle des Schmelzbades

Ideal für:

  • Dünnblech
  • Zwangslagen
  • Wurzellagen

Hohe Pulsfrequenzen

Mehrere hundert Hertz.

Vorteile:

  • Stabilerer Lichtbogen
  • Präzisere Wärmeeinbringung
  • Sehr ruhiges Schweißverhalten

Slope und Gaszeiten

Diese Einstellungen entscheiden maßgeblich über Anfang und Ende der Naht.


Gasvorströmzeit

Vor dem Zünden wird Luft verdrängt.

Typischer Bereich:

  • 0,5 bis 2 Sekunden

Zu kurze Vorströmzeiten führen zu:

  • Poren
  • Verfärbungen am Nahtanfang

Up-Slope

Der Strom steigt langsam auf den Sollwert an.

Vorteile:

  • Weniger Wärmeschock
  • Besser bei Dünnblech

Down-Slope

Der Strom wird am Nahtende kontrolliert abgesenkt.

Vorteile:

  • Verhindert Endkrater
  • Reduziert Rissgefahr

Besonders bei Aluminium nahezu unverzichtbar.


Gasnachströmzeit

Der am häufigsten falsch eingestellte Parameter.

Faustregel

1 Sekunde pro 10 Ampere

Beispiel:

  • 150 A → ca. 15 Sekunden Nachströmzeit

Woran erkennt man eine zu kurze Nachströmzeit?

  • Elektrode verfärbt sich dunkel
  • Nahtende läuft an
  • Poren am Nahtende

Wenn diese Probleme verschwinden, stimmt meist die Gasnachströmzeit.


Brennertaster: 2-Takt, 4-Takt oder Pedal?

2-Takt

  • Taster gedrückt halten
  • Loslassen beendet den Schweißvorgang

Geeignet für:

  • Kurze Nähte

4-Takt

  • Einmal drücken zum Starten
  • Zweimal drücken zum Beenden

Vorteile:

  • Entlastet die Hand
  • Ideal für lange Nähte

Fußpedal

Die komfortabelste Lösung.

Vorteile:

  • Strom während der Naht regeln
  • Unterschiedliche Materialstärken ausgleichen
  • Perfekte Wärmekontrolle

Viele erfahrene WIG-Schweißer arbeiten bevorzugt mit Pedal.


Technik am Werkstück

Brennerwinkel

Empfohlen:

70 bis 80° zur Werkstückoberfläche

Leicht schleppend führen.


Zusatzstab zuführen

  • Flach von vorne zuführen
  • Etwa 10 bis 20° zum Werkstück

Wichtig:

Den Zusatzwerkstoff in die Vorderkante des Schmelzbades geben.

Nicht direkt in den Lichtbogen halten.


Lichtbogenlänge

Faustregel:

Etwa so groß wie der Elektrodendurchmesser

Zu große Lichtbogenlängen führen zu:

  • Breiten Nähten
  • Schlechterem Gasschutz
  • Flacherem Einbrand

Elektrode nicht eintauchen

Berührt die Wolframelektrode das Schmelzbad:

  1. Schweißen stoppen
  2. Elektrode neu anschleifen
  3. Weiterarbeiten

Andernfalls entstehen Wolframeinschlüsse.


Elektrodenüberstand

Ohne Gaslinse:

  • Etwa ein Elektrodendurchmesser

Mit Gaslinse:

  • Deutlich größer möglich

Häufige Fehler und ihre Ursachen

Symptom Ursache
Elektrode wird dunkel Gasnachströmzeit zu kurz, zu wenig Gas, Zugluft
Lichtbogen wandert Falsch geschliffene oder zu große Elektrode
Poren in der Naht Schmutz, falsche Gasmenge, Undichtigkeit
Naht breit und flach Zu langer Lichtbogen, zu viel Reinigungsanteil
Endkrater mit Riss Kein Down-Slope
Grauer Belag auf Aluminium Oxidschicht nicht entfernt oder falsche Balance
Wolframeinschlüsse Elektrode hatte Badkontakt
Zündprobleme Schlechte Masseverbindung oder verschmutzte Elektrode

Gasgekühlter oder wassergekühlter Brenner?

Gasgekühlt

Geeignet bis etwa:

  • 150 bis 200 A

Vorteile:

  • Einfach
  • Wartungsarm
  • Günstiger

Wassergekühlt

Empfohlen bei:

  • Höheren Strömen
  • Langen Schweißzeiten

Vorteile:

  • Schlankerer Brenner
  • Höherer Komfort
  • Weniger Wärmebelastung

Zu beachten:

  • Kühlmittel
  • Frostschutz
  • Kühlmittelnachlauf

Häufige Fragen

Brauche ich AC/DC oder reicht DC?

Für:

  • Stahl
  • Edelstahl
  • Titan

reicht DC vollkommen.

AC wird für:

  • Aluminium
  • Magnesium

benötigt.


Welche Wolframelektrode ist die richtige?

Bewährte Universaltypen:

  • WL15 (Gold)
  • WL20 (Blau)

Für niedrige Ströme ebenfalls beliebt:

  • WC20 (Grau)

Wie viel Gas brauche ich?

Typische Werte für Stahl:

  • 7 bis 12 l/min

Bei Aluminium häufig etwas mehr.

Die benötigte Gasmenge hängt außerdem von der Düsengröße ab.


Warum wird meine Edelstahlnaht bunt?

Meist durch:

  • Zu viel Wärme
  • Zu kurze Gasnachströmzeit

Anlauffarben sollten anschließend entfernt werden, damit die Korrosionsbeständigkeit erhalten bleibt.


Lohnt sich ein Fußpedal?

Ja, besonders bei regelmäßigem WIG-Schweißen.

Es ermöglicht die präziseste Regelung der Wärmeeinbringung und verbessert die Kontrolle spürbar.


Passende Ausrüstung

WIG-Schweißgeräte mit DC- oder AC/DC-Technik, Wolframelektroden, Brenner, Spannhülsen, Gaslinsen und Fußpedale gehören zur Grundausstattung für hochwertige WIG-Schweißarbeiten.

Wenn du Unterstützung bei der Auswahl eines WIG-Geräts oder der passenden Ausstattung brauchst, beraten wir dich gerne aus Stuhr bei Bremen.

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Autor

Dennis Haberland

Als Ansprechpartner für Fachhändler, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen setzt er sich intensiv mit Schweißgeräten, Schweißzubehör, Arbeitsschutz und den Anforderungen moderner Werkstätten auseinander.

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