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Schweißrauch und Absaugung: Gesundheitsrisiken richtig minimieren

Rauchentwicklung beim Schweißen

Schweißrauch gehört zu den Gefahren, die man im Arbeitsalltag leicht unterschätzt. Eine Verblitzung oder Verbrennung bemerkt man sofort. Die Folgen jahrelanger Rauchbelastung entwickeln sich dagegen schleichend und werden oft erst nach Jahrzehnten sichtbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweißrauchpartikel sind kleiner als 1 Mikrometer und gelangen bis in die Lungenbläschen.
  • Schweißrauch wurde 2017 von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) als krebserzeugend für Menschen eingestuft.
  • Absaugung direkt an der Entstehungsstelle ist die wirksamste Schutzmaßnahme.
  • Fülldraht erzeugt die höchste Rauchmenge, WIG die geringste.
  • Zink, Farben, Primer und Beschichtungen sollten vor dem Schweißen entfernt werden.
  • Die wichtigste Grundlage für die Praxis ist die TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“.

Was steckt im Schweißrauch?

Schweißrauch besteht aus einem komplexen Gemisch aus Partikeln und Gasen.

Ultrafeine Partikel

Der größte Teil der Schweißrauchpartikel ist kleiner als:

1 µm (Mikrometer)

Diese Partikel gelangen:

  • Durch Nase und Bronchien hindurch
  • Bis in die Lungenbläschen (Alveolen)
  • Teilweise sogar in den Blutkreislauf

Dadurch sind sie besonders gesundheitsschädlich.


Metalloxide

Welche Metalloxide entstehen, hängt vom Werkstoff ab.

Eisenoxide

Typisch beim Schweißen von Baustahl.

Mögliche Folge:

  • Siderose (Eisenstaublunge)

Mangan

Enthalten in:

  • Schweißdrähten
  • Elektrodenumhüllungen

Langfristige hohe Belastung kann neurologische Schäden verursachen.


Zinkoxid

Entsteht beim Schweißen verzinkter Bauteile.

Verantwortlich für:

  • Metallrauchfieber

Chrom(VI)-Verbindungen

Treten beim Schweißen hochlegierter Edelstähle auf.

Eigenschaften:

  • Krebserzeugend
  • Besonders gefährlich für die Atemwege

Nickeloxide

Entstehen ebenfalls beim Schweißen vieler Edelstähle.

Sie werden ebenfalls als krebserzeugend eingestuft.


Weitere problematische Stoffe

Je nach Werkstoff und Beschichtung können zusätzlich entstehen:

  • Kupferoxide
  • Bleiverbindungen
  • Cadmiumverbindungen

Besonders kritisch bei:

  • Altmaterial
  • Beschichteten Bauteilen
  • Lötverbindungen

Gase

Neben Partikeln entstehen verschiedene Gase.

Ozon

Entsteht durch UV-Strahlung des Lichtbogens.

Besonders bei:

  • WIG-Schweißen
  • Aluminiumschweißen

Stickoxide

Können:

  • Augen reizen
  • Atemwege reizen
  • Husten verursachen

Kohlenmonoxid

Kann insbesondere in engen Räumen problematisch werden.


Zersetzungsprodukte von Beschichtungen

Farben, Öle oder Kunststoffe können beim Erhitzen hochgiftige Gase freisetzen.

Achtung bei chlorierten Reinigern

Diese können im Lichtbogen zu:

Phosgen

zersetzt werden, einem hochgiftigen Atemgift.

Deshalb:

  • Entfettete Bauteile immer vollständig ablüften lassen.

Gesundheitliche Folgen

Metallrauchfieber

Typische Symptome:

  • Frösteln
  • Fieber
  • Gliederschmerzen
  • Krankheitsgefühl

Tritt häufig einige Stunden nach dem Schweißen verzinkter Bauteile auf.

Die Beschwerden klingen meist wieder ab, sind aber ein ernstes Warnsignal.


Siderose

Ablagerung von Eisenoxid in der Lunge.

Typisch bei langjähriger Belastung durch Eisenoxide.


Chronische Atemwegserkrankungen

Langfristige Belastung kann begünstigen:

  • Chronische Bronchitis
  • COPD

Lungenkrebs

Die Einstufung von Schweißrauch als krebserzeugend beruht unter anderem auf dem erhöhten Risiko für Lungenkrebs.


Neurologische Schäden

Langjährige hohe Manganbelastungen können das Nervensystem beeinträchtigen.


Akute Reizungen

Kurzfristig treten häufig auf:

  • Kratzen im Hals
  • Augenreizungen
  • Husten
  • Atemwegsbeschwerden

vor allem durch Ozon und Stickoxide.


Wie viel Rauch entsteht bei welchem Verfahren?

Von hoher zu niedriger Emission:

  1. Selbstschützender Fülldraht
  2. Gasgeschützter Fülldraht
  3. E-Hand-Schweißen
  4. MAG mit Massivdraht
  5. MAG mit Impulslichtbogen
  6. WIG-Schweißen

Einflussfaktoren

Folgende Faktoren lassen sich beeinflussen:

Verfahrenswahl

Der größte Hebel überhaupt.


Stromstärke

Mehr Leistung erzeugt mehr Rauch.


Schutzgas

CO₂-reiche Gase erzeugen tendenziell mehr Rauch als argonreiche Mischgase.


Impulsschweißen

Vorteile:

  • Weniger Spritzer
  • Weniger Rauch
  • Saubererer Werkstoffübergang

Zusatzwerkstoff

Es gibt spezielle Drähte und Elektroden mit reduzierter Emission.


Beschichtungen

Vor dem Schweißen entfernen:

  • Zink
  • Farbe
  • Primer
  • Öl

Die Maßnahmenhierarchie nach TRGS 528

Die TRGS 528 fordert eine klare Reihenfolge der Schutzmaßnahmen.

1. Substitution

Wenn möglich:

  • Emissionsärmere Verfahren einsetzen
  • Geeignete Werkstoffe wählen

2. Technische Maßnahmen

Beispielsweise:

  • Absaugung
  • Lüftung

3. Organisatorische Maßnahmen

  • Expositionszeiten reduzieren
  • Arbeitsbereiche trennen
  • Mitarbeiterzahl begrenzen

4. Persönliche Schutzausrüstung

Atemschutz kommt erst als letzte Maßnahme hinzu.

Wichtig

Atemschutz ersetzt keine Absaugung.

Er ergänzt sie lediglich.


Absaugung direkt an der Entstehungsstelle

Absaugbrenner

Die Absaugung sitzt direkt am Brenner.

Vorteile:

  • Sehr hohe Wirksamkeit
  • Rauch wird erfasst, bevor er die Atemzone erreicht

Empfehlenswert für:

  • Edelstahlarbeiten
  • Fülldrahtschweißen
  • Serienfertigung

Absaugarm

Flexibler Absaugarm mit Haube.

Wirksam nur dann, wenn die Haube tatsächlich in der Nähe der Schweißstelle positioniert wird.

Eine weit entfernte Haube erfasst nahezu keinen Rauch.


Schweißtisch mit Absaugung

Besonders sinnvoll bei:

  • Wiederkehrenden Arbeiten
  • Festen Arbeitsplätzen

Hallenlüftung

Hilft, die allgemeine Belastung zu reduzieren.

Sie ersetzt jedoch keine Punktabsaugung.


Wichtiger Praxistipp

Die Absaugung darf das Schutzgas nicht wegziehen.

Sonst entstehen:

  • Poren
  • Schutzgasprobleme
  • Qualitätsmängel

Filter und Absauggeräte

Beim Kauf entscheidend:

Abscheideleistung

Geräte für Edelstahl müssen höhere Anforderungen erfüllen als Geräte für Baustahl.

Darauf achten, dass die Absauganlage für die tatsächlich geschweißten Werkstoffe geeignet ist.


Umluft oder Abluft

Umluft

Vorteile:

  • Spart Heizenergie
  • Gereinigte Luft bleibt in der Halle

Abluft

  • Führt Schadstoffe komplett nach außen ab

Bei krebserzeugenden Stoffen gelten erhöhte Anforderungen.


Filterwartung

Ein zugesetzter Filter reduziert die Saugleistung erheblich.

Deshalb:

  • Regelmäßig prüfen
  • Rechtzeitig wechseln

Atemschutz

FFP2- und FFP3-Masken

Geeignet für:

  • Kurze Arbeiten
  • Gelegentliche Anwendungen

Nachteil

Bartträger erreichen die angegebene Schutzwirkung meist nicht.


Gebläseunterstützte Systeme

Vorteile:

  • Hoher Schutz
  • Keine zusätzliche Atemarbeit
  • Kein Beschlagen

Für regelmäßige Schweißarbeiten oft die beste Lösung.


Frischluftsysteme

Empfohlen für:

  • Behälterarbeiten
  • Enge Räume
  • Hohe Belastungen

Wichtig

Partikelfilter schützen nicht gegen:

  • Ozon
  • Stickoxide

Hier helfen nur:

  • Gute Lüftung
  • Frischluftsysteme

Enge Räume und Behälter

Hier entstehen zwei Risiken gleichzeitig.

Sauerstoffverdrängung

Argon und CO₂ sind schwerer als Luft.

Sie sammeln sich in:

  • Behältern
  • Gruben
  • Kellern

Die Erstickungsgefahr ist dabei oft nicht wahrnehmbar.


Hohe Rauchkonzentrationen

In geschlossenen Räumen steigen die Schadstoffkonzentrationen sehr schnell an.


Erforderliche Maßnahmen

  • Technische Lüftung
  • Gegebenenfalls Freimessung
  • Sicherungsposten
  • Rettungsmöglichkeit

Improvisierte Lösungen sind hier fehl am Platz.


Fünf Maßnahmen mit sofortiger Wirkung

1. Kopf aus der Rauchfahne

Nie direkt über der Naht arbeiten.

Schon ein leicht seitlicher Stand reduziert die Belastung deutlich.


2. Beschichtungen entfernen

Vor dem Schweißen entfernen:

  • Zink
  • Farbe
  • Primer

3. Absaugung richtig nutzen

Die Absaughaube aktiv nachführen.

Nicht einfach in der Nähe hängen lassen.


4. Impulsschweißen nutzen

Wenn das Gerät eine Impulsfunktion besitzt, reduziert sie häufig Rauch und Spritzer.


5. Hallentor nicht als Absaugung betrachten

Ein offenes Tor:

  • Erzeugt Zugluft
  • Kann das Schutzgas stören
  • Erfasst den Rauch nicht gezielt

Häufige Fragen

Reicht ein offenes Hallentor?

Nein.

Es ersetzt keine Absaugung und kann sogar Schutzgasprobleme verursachen.


Brauche ich als Einzelunternehmer eine Absaugung?

Unabhängig von gesetzlichen Pflichten bleibt die Gesundheitsbelastung dieselbe.

Wer allein arbeitet, schützt in erster Linie sich selbst.


Ist WIG-Schweißen unbedenklich?

WIG erzeugt die geringste Partikelmenge.

Dafür entsteht durch die hohe UV-Strahlung mehr Ozon.

Eine gute Lüftung bleibt notwendig.


Wie merke ich, dass ich zu viel Rauch abbekomme?

Mögliche Hinweise:

  • Kratzen im Hals
  • Husten
  • Metallischer Geschmack
  • Müdigkeit
  • Frösteln und Fieber bei Zinkrauchexposition

Die langfristigen Risiken spürt man jedoch nicht unmittelbar.


Welche Grenzwerte gelten?

Für Schweißrauch und einzelne Inhaltsstoffe existieren Arbeitsplatzgrenzwerte, die regelmäßig aktualisiert werden.

Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) sowie die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes.


Passende Ausrüstung

Absaugbrenner, mobile Absauganlagen, Absaugarme, Gebläsehelme und Atemschutzsysteme helfen dabei, die Belastung durch Schweißrauch deutlich zu reduzieren.

Wenn du unsicher bist, welche Absauglösung zu deinem Arbeitsplatz passt, melde dich gerne bei uns – wir beraten aus Stuhr bei Bremen.

Dieser Beitrag vermittelt einen praxisnahen Überblick und ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung sowie keine Beratung durch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit.

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Autor

Dennis Haberland

Als Ansprechpartner für Fachhändler, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen setzt er sich intensiv mit Schweißgeräten, Schweißzubehör, Arbeitsschutz und den Anforderungen moderner Werkstätten auseinander.

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