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Kehlnaht schweißen: a-Maß, z-Maß und typische Fehler richtig verstehen

Kehlnaht

Die Kehlnaht ist die häufigste Schweißnaht im Metallbau und gleichzeitig eine der meistmissverstandenen. Besonders häufig werden a-Maß und z-Maß verwechselt, was schnell zu unterdimensionierten und nicht normgerechten Schweißnähten führt.

Das Wichtigste in Kürze

  • a-Maß ist die Nahtdicke, z-Maß die Schenkellänge. Beides ist nicht dasselbe.
  • Umrechnung: a = 0,7 × z bzw. z = 1,4 × a.
  • Die Nahtdicke sollte etwa 0,7 × der Dicke des dünneren Bauteils nicht überschreiten.
  • Der Brennerwinkel beträgt etwa 45° zur Ecke, leicht zum stehenden Blech geneigt.
  • Ungleiche Schenkellängen sind der häufigste Ausführungsfehler.

a-Maß und z-Maß: der entscheidende Unterschied

Bei einer Kehlnaht am T-Stoß entsteht zwischen den beiden Bauteilen ein rechter Winkel.

Im Nahtquerschnitt lässt sich ein gleichschenkliges Dreieck einzeichnen.

Schenkellänge (z-Maß)

Die Schenkellänge beschreibt:

  • Die Länge der Nahtanlagefläche auf beiden Bauteilen
  • Die Katheten des gedachten Dreiecks

Nahtdicke (a-Maß)

Die Nahtdicke beschreibt:

  • Die Höhe des Dreiecks
  • Die tragende Querschnittsdicke der Schweißnaht

Das a-Maß ist die für die Festigkeit relevante Größe.


Umrechnung

Da die Kehlnaht auf einem 45°-Dreieck basiert, gilt:

a = 0,7 × z

z = 1,4 × a

Beispiele

Zeichnungsangabe Entspricht ungefähr
a3 z ≈ 4,2 mm
a4 z ≈ 5,6 mm
a5 z ≈ 7 mm
a6 z ≈ 8,5 mm
a7 z ≈ 10 mm
a8 z ≈ 11,3 mm

Der häufigste Fehler

Wird auf der Zeichnung a5 gefordert und lediglich eine Schenkellänge von 5 mm geschweißt, entsteht tatsächlich nur etwa:

a3,5

Das bedeutet rund 30 % weniger tragenden Nahtquerschnitt.

Bei tragenden Konstruktionen ist das ein echter Mangel und keine Kleinigkeit.


Kennzeichnung in Zeichnungen

Die Kennzeichnung erfolgt nach DIN EN ISO 2553.

Merksatz:

  • a = Nahtdicke
  • z = Schenkellänge

Vor Beginn der Arbeiten immer prüfen, welche Angabe tatsächlich gefordert wird.


Wie dick darf eine Kehlnaht sein?

Obergrenze

Als allgemeine Praxisregel gilt:

a ≤ 0,7 × Dicke des dünneren Bauteils

Eine größere Kehlnaht bringt meist:

  • Mehr Wärme
  • Mehr Verzug
  • Mehr Zusatzwerkstoff
  • Höhere Kosten

aber keinen nennenswerten Festigkeitsgewinn.


Untergrenze

Zu kleine Schweißnähte auf dicken Bauteilen können:

  • Zu schnell abkühlen
  • Härter werden
  • Rissanfälliger sein

In vielen Anwendungen liegen Mindestwerte bei etwa:

  • a3 oder größer

Wichtig für tragende Konstruktionen

Bei Konstruktionen nach:

  • DIN EN 1090
  • Statischen Berechnungen
  • Schweißanweisungen (WPS)

werden die erforderlichen Nahtgrößen vorgegeben.

Diese Werte dürfen nicht frei gewählt werden.


Nahtformen: flach, wölbig oder hohl

Flachnaht

Die Standardausführung.

Vorteile:

  • Gleichmäßige Spannungsverteilung
  • Gute Messbarkeit
  • Normgerechte Ausführung

Wölbnaht

Die Naht steht nach außen über.

Probleme:

  • Mehr Schweißgut
  • Höhere Wärmeeinbringung
  • Kerbwirkung bei starker Überhöhung

Mehr Naht bedeutet nicht automatisch mehr Festigkeit.


Hohlnaht

Die Nahtoberfläche ist nach innen eingezogen.

Das Problem:

Die tatsächliche Nahtdicke ist kleiner als sie optisch erscheint.

Wichtig

Gemessen wird immer:

Die kleinste vorhandene Nahtdicke

Nicht die größte Schenkellänge.

Eine optisch große Naht kann deshalb trotzdem unterdimensioniert sein.


Kontrolle mit der Kehlnahtlehre

Eine Kehlnahtlehre gehört in jede Werkstatt.

Vorteile:

  • Schnelle Kontrolle des a-Maßes
  • Sichere Nachmessung
  • Vermeidung teurer Fehler

Einlagig oder mehrlagig?

Einlagige Kehlnaht

Bei MIG/MAG meist problemlos möglich bis etwa:

  • a5
  • a6

Mehrlagige Kehlnaht

Bei größeren Nahtdicken sollte mehrlagig gearbeitet werden.

Typischer Aufbau

1. Wurzellage

  • Reduzierte Leistung
  • Saubere Einbindung in die Kehlwurzel

2. Fülllagen

  • Schmale Lagen
  • Vorherige Lage vollständig anschmelzen

3. Decklage

  • Gleichmäßiges Erscheinungsbild
  • Flache Übergänge

Zwischenreinigung

Zwischen den Lagen:

  • Schlacke entfernen
  • Spritzer entfernen
  • Temperatur kontrollieren

Besonders bei Edelstahl zwingend erforderlich.


Brennerführung

Winkel zur Kehle

Der Brenner wird etwa:

45° zur Ecke

geführt.

Zusätzlich leicht zur stehenden Flanke neigen.


Warum zur stehenden Flanke?

Das liegende Bauteil nimmt Wärme oft schneller auf.

Wer exakt in die Ecke schweißt, riskiert:

  • Gute Verschmelzung am unteren Blech
  • Schlechte Verschmelzung am stehenden Blech

Ergebnis:

Bindefehler an der kritischsten Stelle


Anstellwinkel in Schweißrichtung

Empfohlen:

10 bis 20° schleppend

Der Brenner zeigt dabei leicht entgegen der Schweißrichtung.

Vorteile:

  • Tieferer Einbrand
  • Bessere Gasabdeckung
  • Ruhigeres Schmelzbad

Ungleiche Materialstärken

Bei unterschiedlichen Blechdicken:

  • Lichtbogen etwas stärker auf das dickere Teil richten

Dort wird mehr Wärme benötigt.


Freie Drahtlänge

Kurz halten.

Ein zu großer Abstand führt zu:

  • Schlechter Gasabdeckung
  • Flachem Einbrand
  • Schlechter Nahtqualität

Heften und Schweißreihenfolge

Heften

Heftstellen sollten:

  • Ausreichend fest
  • Möglichst kurz

ausgeführt werden.


Heftpunkte anschleifen

Vor dem Überschweißen:

  • Heftstellen säubern
  • Übergänge glätten

Andernfalls entstehen häufig:

  • Bindefehler
  • Einschlüsse

Beidseitige Kehlnähte

Nicht erst eine Seite komplett fertig schweißen.

Besser:

Wechselseitig arbeiten

Dadurch wird Verzug reduziert.


Lange Nähte

Für lange Verbindungen empfiehlt sich das:

Pilgerschrittverfahren


Endkrater vermeiden

Anfang und Ende sorgfältig ausführen:

  • Anfang überfahren
  • Endkrater auffüllen
  • Kein Loch am Nahtende zurücklassen

Unterbrochene Kehlnähte

Unterbrochene Kehlnähte sparen:

  • Zeit
  • Material
  • Wärmeeinbringung

Nachteile

In feuchten oder korrosiven Umgebungen können die Zwischenräume:

  • Wasser sammeln
  • Spaltkorrosion verursachen

Deshalb sollten Außenbauteile und Feuchtbereiche meist:

Durchgehend verschweißt werden

Auch bei dynamischer Belastung sind unterbrochene Nähte kritisch.


Typische Kehlnahtfehler

Fehler Ursache Abhilfe
Ungleiche Schenkellängen Falscher Brennerwinkel Mehr zur stehenden Flanke neigen
Bindefehler am stehenden Blech Zu wenig Leistung oder falscher Winkel Leistung erhöhen und Flanke gezielt anschmelzen
Einbrandkerbe Zu viel Leistung oder zu hohe Geschwindigkeit Leistung reduzieren
Hohlnaht Zu hohe Spannung oder zu schnelles Schweißen Spannung reduzieren
Wurzel nicht erfasst Zu großer Abstand oder falsche Brennerführung Tiefer in die Kehle arbeiten
Naht zu klein trotz guter Optik Verwechslung von a- und z-Maß Mit Kehlnahtlehre prüfen
Starke Nahtüberhöhung Zu langsam oder zu viel Draht Geschwindigkeit erhöhen

Steig- und Fallnähte bei Kehlnähten

PF – Steigende Kehlnaht

Senkrecht von unten nach oben.

Vorteile:

  • Sicherer Einbrand
  • Gute Tragfähigkeit
  • Hohe Verbindungsqualität

Typische Bewegungen:

  • Dreieck
  • Halbmond

An den Flanken kurz verweilen.


PG – Fallende Kehlnaht

Senkrecht von oben nach unten.

Vorteile:

  • Schnell
  • Saubere Optik

Nachteile:

  • Schmelzbad läuft voraus
  • Höheres Risiko für Bindefehler

Für tragende MIG/MAG-Kehlnähte meist nicht die bevorzugte Lösung.


Häufige Fragen

Was bedeutet a5 genau?

Eine Kehlnaht mit:

  • 5 mm Nahtdicke

Das entspricht etwa:

  • 7 mm Schenkellänge

Wie messe ich das a-Maß?

Mit einer Kehlnahtlehre.

Sie zeigt die tatsächliche Nahtdicke direkt an.

Nach Augenmaß wird die Naht häufig zu klein eingeschätzt.


Darf die Naht dicker sein als gefordert?

Leicht über dem Sollmaß ist meist unkritisch.

Deutliche Überdimensionierungen erzeugen jedoch:

  • Mehr Wärmeeintrag
  • Mehr Verzug
  • Höhere Kosten

Bei nachweispflichtigen Konstruktionen kann auch eine zu große Naht beanstandet werden.


Kann ich a8 einlagig schweißen?

Theoretisch mit hoher Leistung in Wannenlage möglich.

Praktisch sinnvoller:

Ab etwa a6 mehrlagig schweißen.


Muss ich Heftstellen anschleifen?

Ja.

Heftstellen können sonst Ausgangspunkt für:

  • Bindefehler
  • Schlackeneinschlüsse
  • Nahtunregelmäßigkeiten

sein.


Passendes Zubehör

Kehlnahtlehren, Magnetwinkel, Spannmittel und Schweißtische helfen dabei, Kehlnähte reproduzierbar und maßhaltig auszuführen.

Wenn du Fragen zu a-Maß, Nahtausführung oder Schweißzeichnungen hast, melde dich gerne bei uns – wir beraten aus Stuhr bei Bremen.

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Autor

Dennis Haberland

Als Ansprechpartner für Fachhändler, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen setzt er sich intensiv mit Schweißgeräten, Schweißzubehör, Arbeitsschutz und den Anforderungen moderner Werkstätten auseinander.

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